US-Star Madonna tritt beim ESC in Tel Aviv auf

Die US-amerikanische Künstlerin wird beim Finale des Eurovision Song Contest in Tel Aviv auftreten. Zwei Songs soll sie im Pausenprogramm singen. Werbung für Madonnas neues Album? Viele ESC-Fans sind "not amused".

Lange war es nur ein Gerücht, aber am Montag wurde es dann amtlich. Madonna wurde vom Konzertveranstalter Live Nation für die Show engagiert. Finanzielle Unterstützung kommt dabei vom kanadisch-israelischen Milliardär und Madonna-Fan Sylvan Adams. Medienberichten zufolge wird Madonnas Kurztrip etwa 1,3 Millionen US-Dollar kosten.

Nach Berichten der Jerusalem Post soll Madonna mit einem Team von 65 Mann in Tel Aviv anreisen und dort auch für vier Tage residieren. Adams freut sich auf Madonnas Auftritt: "Ich glaube, dass ihre Teilnahme an der Veranstaltung - begleitet von dutzenden Tänzern - einen wertvollen Beitrag zum Erfolg des Eurovision Song Contest und zum Branding Israels in der Welt leisten wird", sagte er am Montag Abend bei einer Pressekonferenz. Es sei ihm sehr wichtig gewesen, die Popikone nach Tel Aviv zu holen; er verspricht sich davon einen unvergessenen und historischen Moment.

"Nicht fair den Teilnehmern gegenüber"

Genau dies sehen viele ESC-Fans ganz anders. Die jungen Künstler, die beim ESC antreten, sind bis auf wenige Ausnahmen wie dem russischen Teilnehmer Sergey Lazarev ziemlich unbekannt, selbst in ihren Heimatländern. Denen nun während des Wettbewerbs ein solches Kaliber wie Madonna vorzusetzten, sei unfair, heißt es in vielen Fangruppen und -Blogs: "Ich halte es für bedenklich, wenn der Pausenact um Lichtjahre prominenter ist als die Teilnehmer", schreibt Userin Mariposa im ESC-Blog "esc-kompakt.de".

Justin Timberlake 2016 in Stockholm

Zumal viele den ESC-Teilnehmern ein weitaus größeres gesangliches Talent zusprechen als dem Superstar aus den USA. Und da das Netz gerne mal gehässig wird, fragen ganz böse Stimmen auch, ob Madonna mit einem Rollator auf die Bühne kommt. 

Lieber Künstler aus dem Gastgeberland

Ein weiterer Kritikpunkt ist Madonnas nicht vorhandener Bezug zum ESC: Was hat ein US-Künstler auf einer europäischen Veranstaltung zu suchen? Ähnliche Stimmen gab es bereits beim ESC in Stockholm 2016, als mit Justin Timberlake schon mal ein US-Superstar in der Finalshow auftrat. Ein Twitter-User bringt es auf den Punkt: 

Viele Fans möchten lieber einen lokalen Act in der Pause sehen. Den Auftritt der Fado-Sängerin Mariza im vergangenen Jahr in Lissabon haben viele noch gut im Gedächtnis, ebenso gerne würde man statt eines US-Stars in diesem Jahr lieber mehr Vertreter der israelischen Musikszene sehen.

Nur ein Werbefeldzug für Madonnas neues Album?

Nun ist der Vertrag mit Madonna unter Dach und Fach; womöglich kommt sie mit zwei weiteren prominenten Gästen, deren Identität allerdings noch streng geheim ist. Fest steht, dass sie zwei Songs singen wird. Einer davon soll ein alter Hit sein, der andere kommt aus ihrem neuen Album, das die 60-jährige Sängerin kurz vor dem Eurovision Song Contest veröffentlichen wird, also Ende April, Anfang Mai. Gleichzeitig startet sie eine Welttournee.