Verbotene Bücher: Zauberlehrling auf dem Index

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"Harry Potter" von J.K. Rowling

Die Buchreihe über den jungen Zauberschüler Harry Potter, der gegen dunkle Mächte kämpft, beherrschte zwischen 2000 und 2009 die Bestsellerlisten weltweit. Die Geschichte rief aber auch religiöse Gruppen auf den Plan, vor allem christliche Hardliner in den USA. Ein Geistlicher aus Pittsburgh verbrannte sogar einige Exemplare. Die Reihe ist in Schulen der Vereinigten Arabischen Emirate verboten.

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Grimms Märchen

Kinderbücher machen einen Großteil der verbannten Bücher aus. Auch die Märchen der Brüder Grimm sind davon nicht verschont geblieben: 1989 strich eine Schule im US-Bundesstaat Kalifornien "Rotkäppchen" von ihrer Literaturliste. Grund dafür war der Wein, den Rotkäppchen ihrer Großmutter bringt, damit die sich besser fühlt.

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"James und der Riesenpfirsich" von Roald Dahl

Die Geschichte aus dem Jahr 1961 über magische Abenteuer, die ein Junge über den Wolken erlebt, stand in den 1990er Jahren in der Kritik. Weil das Wort "Arsch" darin vorkam und auch Tabak und Whisky eine Rolle spielten. Ein Buchhändler aus Ohio bezeichnete "James und der Riesenpfirsich" gar als kommunistisch.

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"Wo die wilden Kerle wohnen" von Maurice Sendak

Der kleine Max wird zur Strafe ohne Essen ins Bett geschickt. In seiner Fantasie verwandelt sich sein Zimmer in einen mysteriösen Dschungel mit heimtückischen Kreaturen. Maurice Sendaks Bilderbuch von 1963 hat nur 338 Wörter, wurde aber trotzdem für seinen "dunklen Inhalt" kritisiert. US-Psychologe Bruno Bettelheim bezeichnete es in den 1960ern gar als "für Kleinkinder psychisch schädigend".

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"Der Zauberer von Oz" von L. Frank Baum

Das 1900 erschienene Kinderbuch von L. Frank Baum ist in den USA mehr als einmal Stein des Anstoßes gewesen. 1928 wurde es in Chicago aus öffentlichen Bibliotheken verbannt - weil es Frauen in Führungsrollen darstellte. Aus demselben Grund folgte 1957 ein Verbot in Detroit, das bis 1972 Bestand hatte. Noch heute behaupten verschiedene Gruppen, das Buch fördere Hexerei.

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"Mephisto" von Klaus Mann

Die Geschichte vom ambitionierten Schauspieler Hendrik Höfgen, der sich den Nazis anschließt, als sie an die Macht kommen, erschien 1936 in den Niederlanden. In Deutschland kam "Mephisto" erst 1956 auf den Markt. Es folgte ein langer Rechtsstreit, weil das Buch deutlich identifizierbar die Karriere des echten Gustaf Gründgens beschreibt, der unter den Nazis ebenfalls Karriere machte.

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"Herz der Finsternis" von Joseph Conrad

Conrads Buch aus dem Jahr 1902 legt die dunkle Seite von Belgiens Kolonialherrschaft im Kongo frei. Zum Teil basierend auf dem Leben des Autoren, strichen zahlreiche Schulen in den USA das Buch aus dem Unterricht. Grund waren die dargestellte Gewalt und der Gebrauch des Wortes "Nigger". "Herz der Finsternis" diente als freie Vorlage für Francis Ford Coppolas Antikriegsfilm "Apocalypse Now".

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"Farm der Tiere" von George Orwell

Orwells 1945 erschienene Satire ist eine Parabel auf die Russische Revolution und die sowjetische Geschichte. Daher ist es vielleicht wenig überraschend, dass es in der Sowjetunion verboten war. Die Geschichte ist mehrfach verfilmt worden, in den meisten Schulen der USA ist das Buch noch heute Pflichtlektüre.

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"Der Alchimist" von Paulo Coelho

Der weltweite Bestseller war auch im Iran beliebt bis er 2011 - so wie alle Werke Coelhos - von der Regierung verboten wurde. Obwohl es dafür keine offizielle Begründung gab, gilt ein Video aus dem Jahr 2009 als Ursache. Es zeigt Coelhos iranischen Lektor Arash Hejazi, der eine angeschossene Demonstrantin retten wollte. Coelho hatte dessen Einsatz später gelobt.

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"Das Tagebuch der Anne Frank"

Das Tagebuch der Anne Frank, die 1945 im Konzentrationslager Bergen-Belsen starb, rief 2010 die Moralwächter im US-Bundesstaat Virginia auf den Plan. Sie nahmen Anstoß an den Passagen mit sexuellen Anspielungen. Auch in Michigan formte sich 2013 ein Protest gegen die unzensierte Fassung.

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"Lolita" von Vladimir Nabokov

Die Geschichte eines Professors mittleren Alters, der einem zwölfjährigen Mädchen verfällt, löste eine internationale Kontroverse aus. "Lolita" landete in Frankreich auf dem Index - dem Land, in dem das Buch 1955 veröffentlicht worden war. Das Werk trug außerdem zum Karriereende des konservativen britischen Politikers Nigel Nicolson bei, dessen Verlag das Buch in Großbritannien herausgab.

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"Frankenstein" von Mary Shelley

Die Geschichte über einen Wissenschaftler, der eine menschliche Kreatur erschafft, sorgte für Kontroversen. In Südafrika wurde der genreübergreifende Roman der britischen Autorin Mary Shelley 1955 sogar verboten, weil er "verwerflich" und "obszön" sei.

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Das Wörterbuch "Oxford Dictionary of English"

Das "Oxford English Dictionary" gilt als DAS Wörterbuch der englischen Sprache. Trotzdem verschwand es 2010 aus vielen Klassenräumen Kaliforniens. Der Grund: Eltern hatten sich darüber beschwert, dass es grafische Definitionen von Sexualpraktiken beinhalten würde.

In den USA will die Banned Books Week aktuell auf die Folgen von Zensur aufmerksam machen. Verbannt und verboten wurden und werden Bücher aller Genres. Auch "Harry Potter" und ein Wörterbuch sind darunter.

Ein Zauberlehrling und ein Alchimist haben in der Vergangenheit die Moralwächter rund um die Welt auf den Plan gerufen. Harmlos erscheinende Bücher wie die "Harry Potter"-Reihe und der Bestseller von Paulo Coelho sind ins Fadenkreuz von Kritik und Zensur geraten. Die Banned Book Week, 1982 von der American Library Association und Amnesty International ins Leben gerufen, soll die Folgen von Zensur ins Bewusstsein rufen.

LGBT-Charaktere sorgen für Kontroversen

Auch heute sorgen literarische Werke immer wieder für Diskussionen. Auf der Liste der 2016 besonders umstrittenen Bücher stehen "This One Summer" der kanadischen Autorin Mariko Tamaki und "Drama" der US-amerikanischen Cartoonistin Raina Telgemeier - beide Werke haben aufgrund ihrer LGBT-Charactere, der Darstellung von Drogen und Obszönitäten für Kontroversen gesorgt. Ähnlich erging es dem Roman "George" von Alex Gino, der ein Transgender-Kind porträtiert.

Die Liste der Bücher, die in der Vergangenheit verboten oder hitzig diskutiert wurden, reicht wahrscheinlich als Lesestoff für ein ganzes Leben aus. Im vergangenen Juli zeigte die Documenta auf dem Friedrichsplatz in Kassel die Installation "Parthenon der Bücher", die aus 100.000 einst verbotenen Büchern bestand und ein Mahnmal gegen die Verfolgung von Schriftstellern darstellte.

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