Vom Pionier zum Privatier: Calvin Klein zum 75. Geburtstag

Der Modeschöpfer Calvin Klein wird 75

Vom Club in die Geschäfte

Calvin Klein (2. v. li.) steht Anfang der 1980er Jahre mit Andy Warhol und Brooke Shields im Studio 54 neben dessen Gründer Steve Rubell. In dem legendären New Yorker Club begann Kleins Karriere: Eines Nachts habe jemand den noch unbekannten jungen Designer gefragt, ob er nicht eine Jeans entwerfen wolle, berichtete Klein später. Kurz darauf lagen seine Kollektionen im Kaufhaus Macy's in New York.

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Teenager in engen Jeans

Als Teenager feierte Brooke Shields ihren Durchbruch mit "Die blaue Lagune", wenig später feierte sie dann im Studio 54 - und wurde eines der ersten Testimonials für die Marke des Modeschöpfers. In hautengen Jeans posierte sie neben dem Slogan: "Nichts kommt zwischen mich und meine Calvins". Wie sich die Zeiten ändern, denn ...

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Markenzeichen auf dem Bund

... in den 1990er Jahren war es vor allem Unterwäsche, die Klein Aufmerksamkeit bescherte. Der, nun ja, "Rapper" Marky Mark, mit einem eher geringen Körperfettanteil unterwegs, trug die Hosen so tief, dass der Unterhosenbund zum Vorschein kam, darauf: der Calvin-Klein-Schriftzug. Heute ist Mark Wahlberg ein seröser, schon für den Oscar nominierter Schauspieler. Hätte man damals auch nicht gedacht.

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Mehrere Traumata

Die Unterhosen wiederum störten das Liebesleben von Kleins Tochter Marci (Mitte). Wann immer sie mit einem Mann ins Bett gehe, sei sie mit dem Namen ihres Vaters konfrontiert, hat sie mal gesagt. Mit elf Jahren wurde Marci von ihrer Babysitterin entführt, die später behauptete, der Vater hätte für seine Publicity alles inszeniert. Marci ist erfolgreiche TV-Produzentin für "Saturday Night Live".

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Was sich bewährt

Anfang des Jahrtausends verkaufte Klein sein Imperium für kolportierte 400 bis 500 Millionen Dollar an den Hemdenhersteller Phillips-Van Heusen. Der setzte später auf die alte Masche mit Stars in Unterwäsche. Hier döst Justin Bieber, ebenfalls mit wenig Körperfett, dafür aber deutlich weniger Muskeln als Marky Mark, auf einer Hauswand. Keine Ahnung, was seine rechte Hand da macht.

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Die ewige Kate

Noch eine Hauswand, mehr Kleidung: Das britische Supermodel Kate Moss ist das wahrscheinlich am engsten mit der Marke verbundene Gesicht. Sie stand und lag in Unterwäsche und - wie hier - voll bekleidet für Klein vor der Kamera und verhalf Mitte der 1990er Jahre dem ersten Unisex-Parfum CK One zu seinem Erfolg. Durch das Label wurde Moss zum Superstar.

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Gut platziert

Auch Produktplatzierungen waren ein willkommenes Werkzeug des Designers: Im ersten Teil der "Zurück in die Zukunft"-Trilogie wird Marty McFly (Michael J. Fox) während einer Reise in die Vergangenheit ohnmächtig und anschließend von seiner Mutter (die ihn ja noch nicht kennt) Calvin Klein genannt - weil sie den Namen vorher auf seiner Unterhose gelesen hat. Das klassische Marci-Klein-Phänomen.

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Vom Partylöwen zum Privatier

In den ersten Jahren nach dem Verkauf stand Klein seinem ehemaligen Unternehmen als Berater zur Seite, heute hält er Vorträge und sammelt Kunst. Der frühere Partylöwe hat mehrere Entziehungskuren hinter sich, um von Alkohol und Valium loszukommen. Seine alte Firma vermisse er nicht, sagte Klein einmal. Nur bei dem Blick auf neue Kollektionen denke er manchmal: "Das hätte ich anders gemacht."

Seine Mode zeichnete sich durch klare Schnitte aus, sie zu bewerben verstand Calvin Klein wie kein zweiter. Heute lebt der Modedesigner zurückgezogen in New York - und feiert jetzt seinen 75. Geburtstag.

Es ist ruhig geworden um den einstigen Partylöwen Calvin Klein. Seit Jahren lebt der Designer zurückgezogen in New York - und feiert vermutlich auch seinen 75. Geburtstag an diesem Sonntag etwas stiller, als er es früher getan hätte. Damals, in den 1970er Jahren, war Klein Stammgast im sagenhaften Club Studio 54, wo sich das hedonistische New York zum Abspannen traf. Auch Geschäfte wurden angekurbelt, denn eines Abends sei Klein genau hier von einem Industriellen gefragt worden, ob er nicht eine Jeans entwerfen wolle.

Bald darauf folgte eine Werbekampagne, die stilbildend für die Modebranche werden sollte. Die gerade 15-jährige Schauspielerin Brooke Shields posierte in hautengen Jeans des Labels, das mit für ein wohl kalkuliertes Skandälchen samt Boykottaufrufen sorgte - aber schon in der ersten Woche nach dem Start der Kampagne ein paar Hunderttausend Jeans verkaufte.

Ausgefallene PR, gerade Schnitte

Für heutige Verhältnisse ebenso harmlos bewarb Calvin Klein in den 1990er Jahren seine Unterwäsche-Linie: Männliche Models standen mit freiem Oberkörper vor der Kamera, allen voran der durchtrainierte Rapper Marky Mark. Etwa zur gleichen Zeit trat ein junges Model ins Scheinwerferlicht - ein androgynes Wesen, dünn wie ein Strich: Kate Moss wurde durch zahlreiche Klein-Kampagnen zum Superstar und avancierte zum Vorbild der Skinny Models.

Haushoch: eine von vielen CK-Kampagnen mit Kate Moss

Calvin Klein war ein Trendsetter, doch so ausgefallen die PR-Maßnahmen waren, so klar und gerade waren seine Schnitte, Buntes war bei Klein selten zu sehen. Mode, die ein breites Publikum anspricht, war das Ziel. 1942 als Sohn ungarischer Einwanderer in der Bronx geboren, studierte Klein am renommierten Fashion Institute of Technology (FIT) in Manhattan, ehe er 1968 mit einem Freund und einer Investition von 2000 Dollar seine erste Firma gründete.

Nicht auf Erfolgen ausgeruht

Als die Kleiderschränke der Amerikaner mit Jeans und Unterwäsche gefüllt waren und die Umsätze stagnierten, weitete Klein sein Unternehmen zum Imperium aus. Das CK-Logo prangte bald auch auf Uhren, Brillen und Haushaltsartikeln. Besonders erfolgreich aber wurde die Parfüm-Linie mit den Marken "Eternity", "Obsession" und ganz besonders "CK One", dem ersten Unisex-Parfüm mit Kate Moss als Aushängeschild. Das Geheimnis seines Erfolgs umriss Klein einmal sehr nüchtern: "Ich denke nicht über meine Berühmtheit nach und ich ruhe mich nicht auf Erfolgen aus."

2003 verkaufte Klein sein Unternehmen schließlich für eine Summe, die zwischen 400 und 500 Millionen Dollar gelegen haben soll, an den Hemdenhersteller Phillips-Van Heusen. Während der ersten Jahre stand Klein dem Unternehmen noch als Berater zur Seite, inzwischen hat er sich zurückgezogen. Klein war zweimal verheiratet und hat eine Tochter, die TV-Produzentin Marci Klein. Von gelegentlichen Berichten über sein Privatleben abgesehen, ist es ruhig geworden um den früheren Modepionier. Langweilig wird ihm wohl auch an seinem 75. Geburtstag nicht sein, glaubt man seinen Worten: "Menschen in den Siebzigern können immer noch unglaubliche Leben führen."

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