Vom Radiostudio ins All – Kirgisistans kleine Kosmonautin | Europa/Zentralasien | DW | 03.07.2018
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Europa/Zentralasien

Vom Radiostudio ins All – Kirgisistans kleine Kosmonautin

In der kirgisischen Steppe von Suusamyr sind die Sterne zum Greifen nah. Die achtjährige Aidatka lebt dort und träumt davon, Kosmonautin zu werden. Auslöser war das Radio.

Aidatka aus Kirgisistan

Aidatka Kadyrshanova und ihre Mutter Aizada Kalkanbekova. Kalkanbekova leitet das Bürgerradio von Suusamyr.

Aidatka hat gerade die erste Klasse ihrer Dorfschule abgeschlossen. Seit zwei Jahren arbeitet sie regelmäßig nach dem Unterricht für das Bürgerradio von Suusamyr. Ihre Mutter Aizada Kalkanbekova leitet das Radio, die DW Akademie unterstützt es seit seiner Gründung 2011. Aidatka und ihr Bruder Baidur, der 12 Jahre alt ist, machen eine Sendung für Kinder. Sie sprechen darin über ganz unterschiedliche Themen: zum Beispiel über das Leben der kirgisischen Steinböcke oder warum im Suusamyr-Tal nur Kartoffeln wachsen.

Eine Radiosendung über Planeten

Als Aidatka eine Sendung über Planeten vorbereitete, blätterte sie in der Zeitschrift "Znaete Li Wy?"– auf Deutsch: "Wissen Sie das schon?". Dort las sie, dass es einen kirgisischen Kosmonauten gibt, Salizhan Sharipov, der an der Aerokosmischen Universität in Moskau lehrt. Aidatka las auch, dass Sharipov der einzige Kosmonaut in der Geschichte Kirgisistans ist, und das wurmte sie. "Ich will die Zweite sein, die für unser Land ins All fliegt", sagte sie ihren Eltern. 

Der Brief der Achtjährigen: Guten Tag, Salizhan Sharipov! Ich heiße Aidatka Kadyrshanova. Ich lebe in Kirgisistan. Ich möchte Ihnen gratulieren zum Tag der Kosmonauten. Ich möchte ebenfalls Kosmonautin werden.

Der Brief der Achtjährigen: "Guten Tag, Salizhan Sharipov! Ich heiße Aidatka Kadyrshanova. Ich lebe in Kirgisistan. Ich möchte Ihnen gratulieren zum Tag der Kosmonauten. Ich möchte ebenfalls Kosmonautin werden."

Aidatka schrieb Sharipov einen Brief und bat ihre Mutter, ihn weiterzuleiten. Doch da Aidatkas Mutter die Adresse nicht kannte, stellte sie den Brief am "Tag des Kosmonauten" kurzerhand auf Facebook. Mit unerwarteten Folgen. Zwei Tage später meldete sich Sharipov bei Aidatka. Über WhatsApp führte der Kosmonaut das Mädchen durch die Labore, Werkstätten und Büros der Universität. Er zeigte ihr die Modelle der Raketen, die ins Weltall fliegen, erklärte ihr, wie der Anzug der Kosmonauten aufgebaut ist und was sie in der Schwerelosigkeit essen.

Kosmonauten-Crew für Sojus TMA-5-Mission zur ISS

Salizhan Sharipov (Mitte) auf dem offiziellen Foto seiner Mission zur Internationalen Raumstation im Jahr 2004.

Sharipov wurde in Moskau und den USA ausgebildet. Zweimal war er im All, erst 1998, das zweite Mal 2004/2005 als Kommandant der Sojus Rakete auf der Internationalen Raumstation ISS. Heute bildet Sharipov an der Universität Kosmonauten aus und bereitet sie auf ihre Aufgaben im All vor. 

Aus Neugierde wurden große Pläne

Aidatkas Interesse an der Raumfahrt hatte Sharipov offenbar beeindruckt. Als er einen Monat später seine Heimat Kirgisistan besuchte, lud er das Mädchen samt Familie kurzerhand in die Hauptstadt Bischkek ein, 160 Kilometer nordöstlich von Suusamyr. Aidatka durfte den Kosmonauten eine Stunde lang treffen und ihm Fragen stellen.

Sie hatte viele Fragen, aber die, die ihr am meisten auf den Nägeln brannte, war: Wie schläft man im All? Sharipovs Antwort, dass sich Kosmonauten beim Schlafen anschnallen und trotzdem in der Schwerelosigkeit ständig schaukeln, faszinierte Aidatka. Dieses Wissen aus erster Hand gab sie später in ihrer Radiosendung weiter.

Der Kosmonaut schenkte dem Mädchen zum Abschied und zur Erinnerung einen Tablet-Computer mit seinem Profibild. Der ist nun Aidatkas ständiger Begleiter und stillt ihren Wissendurst über das All und die Welt der Sterne und Planeten.

Zahlreiche kirgisische Medien haben mittlerweile über das Treffen von Aidatka und Sharipov berichtet. Mit der Begegnung ist für Aidatka ein Traum in Erfüllung gegangen. Ein erster Traum wie sie sagt. "Ich glaube, mein zweiter Traum geht auch in Erfüllung", sagt sie zuversichtlich: Als erste kirgisische Frau ins Weltall zu fliegen.

 

Die DW Akademie unterstützt die kirgisischen Bürgermedien seit der Gründung von Radio Most in Talas im Jahr 2007. Inzwischen gibt es im ganzen Land, vor allem in vielen entlegenen Dörfern, 27 Bürgerradios oder Multimediazentren, die die Bevölkerung über die Neuigkeiten im Land und ihrem Ort informieren. Die Bürgerkorrespondenten produzieren Beiträge, die der öffentlich-rechtliche Sender KTRK wöchentlich in einer 20minütigen Sendung landesweit ausstrahlt. Auch mehrere Nachrichtenagenturen übernehmen die Beiträge.

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