Von der Bloggerin zur Unternehmerin - Sabrina Spielberger

Sabrina Spielberger war erst als Bloggerin erfolgreich, dann gründete sie mit 28 Jahren in Berlin ihr Unternehmen digidip. Das war 2013. Heute führt sie ein Unternehmen, das in mehr als 40 Ländern aktiv ist.

DW: Wie würden Sie Ihr Produkt beschreiben?

Spielberger: Wir bedienen quasi zwei Seiten: auf der einen Seite die ganzen Webseitenbetreiber, also die Blogger, Magazine und Influencer, und auf der anderen Seite die Online-Shops. Es ist wie ein Marktplatz: Online-Shops wollen gerne mehr Aufmerksamkeit. Dann arbeiten sie enger mit uns zusammen und wir schlagen ihnen Webseiten und Blogger vor, die über diese Online-Shops reden oder schreiben können. Und auf der anderen Seite geben wir Bloggern die Chance, damit auch Geld zu verdienen. Wir schließen mithilfe von ungefähr 100 Affiliate-Netzwerken zigtausend Online-Shops in einem Interface von uns zusammen.

Und jetzt wollen Sie internationalisieren?

Wir sind schon international. Ich habe sogar schon in unserem zweiten Jahr angefangen, das Geschäft in Frankreich auszubauen. Bisher habe ich mich erst mal in die Länder getraut, wo unsere größten Konkurrenten noch nicht sind. 2016 habe ich dann den Mut gefasst, auch die Großen anzugreifen - im Vereinigten Königreich. Das hat ganz gut geklappt und jetzt sind die USA unser großes Ziel. Also wir sind schon in über 40 Ländern aktiv.

Wirtschaft | 16.07.2018

Kann man den Markt USA elektronisch bearbeiten oder braucht man auch Leute vor Ort?

Ich war kürzlich erst in New York und da hat mich tatsächlich ein potenzieller Kunde gefragt: "Warum habt ihr hier kein Büro?" Ich habe ihm geantwortet: "Willst du, dass ich 200.000 Dollar im Jahr für ein Büro in New York bezahle, oder willst du, dass ich das Geld lieber dir zuschiebe?" Es ist nun mal sehr teuer in London und New York, ein Büro zu haben. Zum Glück ist unser Business digital und vieles läuft über E-Mail, Calls und Skype.

Wie finden Sie eigentlich Ihre Mitarbeiter? Das scheint ja mittlerweile ziemlich schwer zu sein?

Es ist sehr schwer. Die meisten habe ich mir selbst herangezogen. Mein Director of Sales kam frisch von der Uni zu uns und hatte gar keine Ahnung vom Geschäft. Den hab ich angelernt. Am Anfang gab es nur ihn und mich und einen Programmierer. Er ist bis heute bei mir geblieben und ist jetzt derjenige, der die neuen Vertriebler genauso anlernt, wie ich ihn damals angelernt habe. Also die Suche nach Mitarbeitern ist nicht einfach. Wenn ich in Berlin zum Beispiel nach guten Programmierern oder Vertrieblern suche, habe ich keine Chance.

Wo finden Sie dann die Programmierer?

Manchmal über Kontakte, durch andere Programmierer, die man kennt. Und man muss wirklich gucken, dass man die guten nicht vergrault. Den Programmierern ist es superwichtig, dass der Arbeitsplatz ihnen viel Raum bietet, um sich zu entwickeln. Die Programmierer in meinem Team schätzen sehr, dass sie freie Hand haben, dass sie sich einbringen können in unser Produkt, dass sie nicht einfach nur Roboter sind, die drauflos programmieren müssen, sondern wirklich auch ihren Input geben können.

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Hat es irgendwann mal eine Rolle gespielt, dass Sie eine Frau sind? Oder war das für die Entwicklung Ihres Unternehmens völlig egal?

Ich bin in einer Branche, die sehr männerlastig ist. Da hieß es dann: "Das ist ja super, dass du das machst. Und als Frau und ganz toll und so." Das wurde so hervorgehoben, als wäre Frau-Sein eine Behinderung [lacht]. Ich habe das einfach nur dankend nickend angenommen. Aber ich finde es auch immer ganz nett, wenn Männer, auch ältere Männer dann sagen: "Ich finde das ganz toll und lassen Sie uns was gemeinsam machen. Irgendwann mal möchte ich, dass meine Tochter auch so was wie Sie macht und dann ein Vorbild hat." Da hatte ich schon Unterstützung - von Frauen auch. Ich hab mich nie groß diskriminiert gefühlt. Klar, am Anfang. Aber ich weiß nicht, ob es daran lag, dass wir noch relativ klein waren, dass man uns nicht so ernst genommen hat. Aber ich habe das immer relativ schnell mit meiner großen Klappe ausgleichen können.

Ist es für Frauen, die gründen wollen, wichtig, Vorbilder zu haben?

Ja, auf jeden Fall. Ich versuche so oft wie möglich auf Events zu gehen, wo es um weibliche Gründerinnen geht und mich da mit den Frauen zu unterhalten, ihnen die Angst zu nehmen, Tipps zu geben, wie man sich über Wasser hält, wenn man kein Geld hat.

Also Netzwerke sind schon entscheidend?

Ein Netzwerkist superentscheidend. Ich hab das zu Anfang total vernachlässigt, weil ich es als nicht wichtig empfunden habe. Ich dachte immer, das ist reine Zeitverschwendung. Aber mittlerweile bereue ich es, dass ich das nicht früher gemacht habe.

Das Interview führte Manuela Kasper-Claridge.

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