Vorwurf illegaler Flüchtlingshilfe: NGO-Chef auf Lesbos festgenommen

Panos Moraitis und zahlreiche Mitstreiter sollen sich auf der griechischen Ägäis-Insel als Schleuser betätigt haben. Auch die Kooperation mit organisierten Schleppern wird ihnen vorgeworfen.

Der Chef der Nichtregierungsorganisation Emergency Response Centre International (ERCI) ist auf der griechischen Insel Lesbos festgenommen und der Justiz vorgeführt worden. Panos Moraitis habe sich freiwillig der Polizei gestellt, berichtete die halbamtliche griechische Nachrichtenagentur ANA-MPA. Moraitis und zahlreichen Mitarbeitern seiner und anderer Hilfsorganisationen wird Mitgliedschaft an einem illegalen Netzwerk für Flüchtlingshilfe vorgeworfen.

Festnahmen schon im August

Bereits im August waren mehrere ERCI-Aktivisten festgenommen worden, darunter der deutsch-irische Aktivist Sean Binder sowie die in Berlin lebende syrische Flüchtlingshelferin Sarah Mardini - die Schwester der Olympia-Schwimmerin Yusra Mardini. Sie sitzt seit fast drei Wochen in einem Gefängnis in Piräus in Untersuchungshaft. Sarah und Yusra Mardini sorgten 2015 für Schlagzeilen: Damals sollen die beiden Schwimmerinnen ein Flüchtlingsboot stundenlang mit einem Seil hinter sich gezogen haben, das vor der Insel Lesbos in Seenot geraten war. Danach ließen sie sich in Deutschland nieder.

Griechenland Solidaritäts-Kundgebung mit der NGO ERCI

Solidaritätskundgebung für Sarah Mardini und Sean Binder am ersten September in Athen

Hintergrund der Ermittlungen: Zahlreiche Mitglieder von mindestens drei Nichtregierungsorganisationen (NGO) sollen auf der Ostägäisinsel Lesbos als Schleuser tätig gewesen sein. 30 Menschen, darunter 24 Ausländer, haben laut Polizei systematisch die Überfahrt von Migranten von der Türkei nach Lesbos unterstützt und diesen so bei der illegalen Einreise nach Griechenland geholfen. Dabei hätten sie auch mit organisierten Schleppern zusammengearbeitet.

Monatelange Beobachtung durch Polizei

Die Polizei war auf die Tätigkeit einer der NGOs aufmerksam geworden, als sie im Februar zwei ihrer Mitglieder festnahm, die auf Lesbos mit einem Fahrzeug mit gefälschten Kennzeichen des griechischen Heeres gefahren seien. Danach seien monatelange Ermittlungen und Beobachtungen der NGOs gefolgt, hieß es aus Kreisen der Polizei.

sti/uh (afp, dpa)

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