War's das für Schalkes Trainer Tedesco?

Beim blamablen Champions-League-Aus bei Manchester City präsentiert sich der FC Schalke 04 in einer desolaten Verfassung. Trainer Domenico Tedesco gerät immer mehr in die Kritik. Seine Zukunft hängt am seidenen Faden.

Domenico Tedesco bekam noch eine innige Umarmung und ein paar herzliche Worte mit auf den Weg. Wer ihn da so freundlich verabschiedete war Pep Guardiola, der Trainer von Manchester City. Der Coach des FC Schalke 04 machte sich danach direkt auf den Weg in die Katakomben des Stadions - entgegen seiner Gewohnheit, die er seit Anbeginn beim Ruhrgebietsklub pflegt. Normalerweise bildet der 33-Jährige mit seinem Team einen Kreis und gibt den Spielern ein paar Worte mit in die Umkleidekabine.

Das 0:7 (0:3) im Achtelfinal-Rückspiel der Champions League bei Manchester City dürfte Tedesco als derart herben Rückschlag wahrgenommen haben, dass er nicht einfach zur Tagesordnung übergehen konnte. Während sich seine Spieler vor den wütenden rund 3000 mitgereisten Anhängern derbe und lautstarke Worte anhören mussten, hatte sich Tedesco zurückgezogen. Die fünfte Pflichtspiel-Pleite in Folge mit insgesamt 21 Gegentoren dürften selbst dem hartgesottensten Fußballlehrer empfindlich an die Nieren gehen. 

Seit Wochen kraft- und mutlos

"Der größte Spannungsabfall, den ich erlebt habe"

Eine halbe Stunde später wirkte Tedesco schon wieder gefasst, wenn ihm auch ins Gesicht geschrieben stand, wie sehr ihn die höchste Schalker Pleite in der Europapokal-Geschichte mitgenommen hatte. "So etwas würden sie nie von mir hören", antwortete Tedesco auf die Frage, ob er sich von seiner Mannschaft alleingelassen fühle. Allerdings räumte er ein, dass er von seinen Spieler nach rund 35 Minuten "den größten Spannungsabfall erlebt habe, seit ich Trainer bin".

Die Schalker präsentieren sich seit vielen Wochen kraft- und mutlos. Auch gegen die Engländer gelang ihnen wieder einmal kein erwähnenswerter Angriff, geschweige denn ein Schuss auf das Tor. Und das, obwohl Tedesco vor der Partie die Hoffnung hatte, mit einer "vorsichtigen Offensive" das 2:3 aus dem Hinspiel vielleicht noch drehen zu können. Anspruch und Wirklichkeit klaffen auf Schalke seit vielen Wochen weit auseinander. Die Mehrzahl der Spieler wirkt von Partie zu Partie immer mehr wie eine Ansammlung von Einzelkämpfern, die nahezu jeglichen Teamgeist vermissen lassen, und die scheinbar keine gemeinsamen Interessen mehr vereinen.

Sport | 17.02.2019

Schalkes Sportvorstand äußert sich nicht

Hilflos an der Seitenlinie: Domenico Tedesco

Die Schalker Talfahrt hat sich nach diesem desaströsen Auftritt weiter verschärft, der Glaube an die Fähigkeiten des jungen Coaches dürften auch bei den Vereinsverantwortlichen weiter geschwunden sein. Der neue Schalker Sportvorstand Jochen Schneider hatte bei seiner Vorstellung in der vergangenen Woche einen Aufwärtstrend von den Profis und dem Trainer gefordert. Das nüchterne Resultat: Ein 2:4 bei Werder Bremen in der Bundesliga und eine Demütigung in der Königsklasse in Manchester. Nach der Pleite bei den "Citizens" wollte sich Schneider jedenfalls nicht äußern.

Vermutlich muss der Sportvorstand das Resultat auf sich wirken lassen und erst einmal eine Nacht darüber schlafen. Wie groß die Probleme tatsächlich sind, die das Team umgeben, durfte er in den vergangenen Tagen hautnah miterleben. In dieser Form kann es auf Schalke nicht weitergehen. Der ehemalige Schalke-Profi Mike Büskens wird bereits als Interimscoach und kurzfristiger Ersatz für Tedesco genannt. 

Es fehlt der Glaube an den Trainer

Der Trainer selbst gibt sich kämpferisch und tut so, als ob er die Begleitumstände verdrängen könne: Die Angst vor einem Rausschmiss kenne er nicht. Und auch einen Rücktritt ziehe er nicht in Erwägung. "An mich selbst habe ich keine Sekunde gedacht. Ich bin immer noch stolz, Trainer auf Schalke zu sein. Um mich mache ich mir am wenigsten Sorgen", sagte Tedesco. Er glaube immer noch an eine Trendwende.

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Am Samstagnachmittag kämpfen die Schalker gegen RB Leipzig wieder ums Überleben in der Bundesliga. "Das ist ein ganz anderes Spiel gegen einen ganz anderen, guten Gegner. Spätestens in den nächsten 48 Stunden müssen wir die Partie gegen Manchester aus den Köpfen haben", nannte er ein für ihn wirksames Mittel, um sein Team wieder in die Spur zu bringen. "Wenn wir nicht an uns glauben, wer dann?" Die entscheidende Frage wird allerdings eher sein, ob die Verantwortlichen des Klubs nicht spätestens nach der Begegnung in Manchester den Glauben an den Trainer Tedesco verloren haben.