Weltstar und Theatermime: Klaus Maria Brandauer ist 75

Film

"Mephisto" (1981)

1981 adaptiert der ungarische Regisseur István Szábo den Schlüsselroman von Klaus Mann über den Theatermacher Gustaf Gründgens (im Film: Hendrik Höfgen). Klaus Maria Brandauer spielt den diabolischen Mephisto "ungemein brilliant". Der von der Kritik gefeierte Film gewinnt Preise in Cannes und den Oscar für den besten ausländischen Film. Für Brandauer bedeutet das den internationalen Durchbruch.

Film

"Jedermann" (1983)

Brandauer spielt sein Leben lang leidenschaftlich Theater. Seine Bühnenpräsenz ist ebenso legendär wie seine oft kritisierte Eitelkeit. Hier ist er bei den Salzburger Festspielen im Jahr 1983 in der Titelrolle zu sehen. Links neben ihm sitzt Marthe Keller in der Rolle der "Buhlschaft". Von 1983 bis 1989 spielte Brandauer in Salzburg den "Jedermann".

Film

"Sag niemals nie" (1983)

Eine der Paraderollen Brandauers ist die des Bösewichts Alexander Largo in dem James-Bond-Streifen "Sag niemals nie" (Foto). Angeblich musste Connery höchstpersönlich den Bühnenkünstler Brandauer zu dem Ausflug ins Kommerzkino überreden. Sieben Jahre später ist der Österreicher erneut an der Seite Sean Connerys im Kino zu sehen – in Fred Schepisis Spionagethriller "Das Russland-Haus".

Film

"Jenseits von Afrika" (1985)

Seine Rolle als Baron Bror von Blixen-Finecke, dem ungeliebten Ehemann der dänischen Schriftstellerin Karen Blixen (gespielt von Meryl Streep), brachte Brandauer einen Platz in der Filmgeschichte ein - und einen Golden Globe sowie eine Oscar-Nominierung. Das Filmepos "Jenseits von Afrika" (Regie: Sydney Pollack) gehört zu den beliebtesten Hollywood-Filmen weltweit und ist ein absoluter Kultfilm.

Film

"Das Spinnennetz" (1989)

Filmkritiker halten die Rolle des Benjamin Lenz in dem Spielfilm "Das Spinnennetz" für eine seiner stärksten. Unter der Regie von Bernhard Wicki entwickelte Brandauer brillant und äußerst subtil den ambivalenten Charakter des Kommunisten Lenz, der auch mit der Gegenseite paktiert. Der Kinofilm basiert auf dem Fortsetzungsroman von Joseph Roth und hatte 1989 seine Uraufführung in Cannes.

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"Georg Elser - Einer aus Deutschland" (1989)

In dem Kinofilm spielte Brandauer nicht nur die Hauptrolle des Uhrmachers und Hitler-Attentäters Georg Elser, sondern führte auch Regie. Er setzte ein Drehbuch von Stephen Sheppard um, der aus dem Stoff einen echten Thriller gemacht hatte. Brandauer spielte die präzisen Vorbereitungen des Attentats am 8. November 1939 mit einer kongenialen Ruhe und setzte Elser damit ein filmisches Denkmal.

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"Wolfsblut" (1991)

Brandauer hatte ein gespaltenes Verhältnis zu Hollywood, zu oft seien ihm klischeehafte Nazi-Rollen angeboten worden. Aber für den US-amerikanischen Abenteuerfilm "Wolfsblut" nahm er gern die Hauptrolle des Goldsuchers Alex Carson an. Neben ihm spielt Ethan Hawke den jungen Jack Conroy. Beide Männer freunden sich mit dem Wolf-Hund-Mischling "Wolfsblut" an, der ihnen später das Leben rettet.

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"Rembrandt" (1999)

Hier erlebt man Brandauer in einer ungewohnten Rolle. In dem Historiendrama "Rembrandt" (Regie: Charles Matton) verkörpert der Schauspieler in der Rolle des Rembrandt van Rijn alle Höhen und Tiefen des berühmten Malers. Als er am Schluss des Films hoch verschuldet und vor Gram gezeichnet seinem Lebensende entgegensieht, lässt Klaus Maria Brandauer alle Facetten seiner Schauspielkunst aufblitzen.

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"Dreigroschenoper" (2006)

Brandauer ist immer wieder für eine Überraschung gut: Im Brecht-Jahr 2006 inszeniert der Regisseur im umgebauten Admiralspalast in Berlin den berühmten Klassiker "Die Dreigroschenoper" - allerdings ungewöhnlich besetzt. Die Rolle des "Mackie Messer" singt und spielt Campino (li), Frontmann der Punkband "Die Toten Hosen". Die Brecht/Weill-Oper stieß auf wenig Wohlgefallen bei den Kritikern.

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"König Lear" (2013)

Trotz aller Filmerfolge: Brandauer ist durch und durch Theaterschauspieler. 1972 wird er festes Ensemble-Mitglied am Wiener Burgtheater, gastiert aber weiter an anderen Bühnen. Der berühmte Schauspieler bleibt der "Burg" sein Leben lang verbunden. 2013 kehrt er in der Titelrolle des "König Lear" von William Shakespeare dorthin zurück - und bekommt zur Premiere den Ehrenring verliehen.

Kaum ein deutschsprachiger Schauspieler hat so viele Preise gewonnen wie er. Klaus Maria Brandauer polarisiert, doch selbst seine schärfsten Kritiker attestieren ihm große Schauspielkunst. Jetzt wurde er 75.

Brandauer fühlte sich früh berufen für die Theaterlaufbahn. In die Wiege gelegt war ihm das nicht. In Aussee in der Steiermark wurde er als Klaus Georg Steng geboren, am 22. Juni 1943. Der Sohn eines deutschen Zollbeamten und einer österreichischen Mutter wuchs auf dem Land auf, bei den Großeltern, fern jeder Kultureinrichtung.

Nach dem Abitur probierte er zwei Semester Schauspielschule aus, musste aber das Studium abbrechen, weil er mit 20 schon Vater wurde. Zum Glück bekam er ein Engagement am Landestheater Tübingen. Ein Freund hatte ihn zum Vorsprechen mitgenommen - eher aus Spaß: Der junge Brandauer wurde sofort engagiert - für die Hauptrolle. Als wohlklingenden Künstlernamen wählte er den Mädchennamen seiner Mutter.

Klaus Maria Brandauer als Oberst Redl, 1984

Charmanter Intrigant: Brandauer mit Gudrun Landgrebe in "Oberst Redl" (1984)

Die Mischung aus Unverschämtheit und spitzbübischem Charme, die er hintergründig und arrogant präsentierte, wurde sein Markenzeichen und brachte ihm schon früh Meriten als Schauspieler der Extraklasse ein. Er bot sie stets dar mit der Souveränität und Professionalität eines Seiltänzers, der mit Vergnügen über dem Abgrund balanciert.

Nicht nur in Hollywood, auch international stieg er in der Filmbranche zum Weltstar auf, der sich die Rollenangebote aussuchen konnte. Auch mit Regie-Ikone Francis Ford Coppola arbeitete er zusammen.

"Der Größenwahn ist mein ständiger Begleiter"

Am liebsten spiele er brüchige, schillernde Charaktere, sagt Brandauer in einem aktuellen Interview mit der Nachrichtenagentur dpa. "Der Mensch ist ein kompliziertes Wesen, da ist es geradezu lächerlich, mit einer Schwarz-Weiß-Beschreibung zu kommen."

Seine Paraderolle war die des Mephisto in dem gleichnamigen Kinofilm von Regisseur István Szabó, mit dem er eine ganze Trilogie über "Emporkömmlinge in einem autoritären Staatsgefüge" drehte. In "Mephisto" verkörperte Brandauer den skrupellosen Karrieristen Hendrik Höfgen - unschwer als Gustaf Gründgens zu erkennen, der sich als Theatermann und Schauspieler den Nazis angedient hatte. Der Oscar für den "Besten ausländischen Film" war 1982 das Sprungbrett für Brandauers internationale Karriere.

Klaus Maria Brandauer und Szabo bei Oscar-Verleihung 1982

Klaus Maria Brandauer und Regisseur István Szabó bei der Oscar-Verleihung 1982

Hollywood bot ihm daraufhin viele Rollen an, die meisten lehnte der anspruchsvolle Theaterschauspieler ab. 1984 gab Brandauer den perfiden Gegenspieler von James-Bond-Darsteller Sean Connery in "Sag niemals nie". 1985 spielte er im Kinoklassiker "Jenseits von Afrika" den versoffenen, zwielichtigen Baron Bror Blixen an der Seite von Meryl Streep. Hollywood ehrte ihn dafür mit einer Oscar-Nominierung als bester Nebendarsteller.

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Erfolgreich auch hinter der Kamera

Auch als Regisseur gewann er international Anerkennung. Mit seiner ersten Filmregie "Georg Elser – Einer aus Deutschland" wagte er sich 1989 an ein heikles historisches Thema. Die Hauptrolle des Hitler-Attentäters Georg Elser, der nach dem missglückten Attentat im Münchner Bürgerbräukeller 1939 von den Nazis im KZ Dachau interniert und dort 1945 hingerichtet wurde, spielte er dann gleich selbst – "frei von üblichen Klischees", wie die Kritiker anerkennend schrieben.

Literaturverfilmungen, Theaterstücke zur deutschen Geschichte ("Speer", 1998) und oft gespielte Klassiker haben ihn oft in dieser Doppelrolle als Regisseur und Darsteller gereizt. 2006 wagte er sich an die berühmte "Dreigroschenoper" von Bertolt Brecht.

Klaus Maria Brandauer inszeniert Dreigroschenoper in Berlin

Regisseur Brandauer mit Campino, der für ihn 2006 den Mackie Messer in der "Dreigroschenoper" von Brecht spielte

Die Titelrolle des Mackie Messer besetzte er mit Campino, dem Frontmann der "Toten Hosen". Ein großer Publikumserfolg, die Vorstellungen im neu umgebauten Admiralspalast in Berlin waren ständig ausverkauft. Die Kritiker verrissen allerdings die gewagte Inszenierung.

Das Theater ist seine Passion geblieben. Die Klassiker der europäischen Bühnenautoren, vor allem immer wieder William Shakespeare, sind seine persönlichen Favoriten, von denen er nicht ablässt. An den großen Figuren der Weltliteratur - Hamlet, König Lear, Nathan der Weise - arbeitet er sich liebend gern und schweißtreibend ab – bis heute. Keine Rolle ist ihm zu schwer.

Politisch streitbar – für Europa

Neben seiner Schauspielarbeit ist Klaus Maria Brandauer immer ein kritischer Geist geblieben, politisch hellwach und jederzeit bereit zur zornigen Einmischung. "Jeder ist aufgerufen, einer falsch gepolten Gesellschaft die Stirn zu bieten", lässt er in dem dpa-Interview zu seinem 75. Geburtstag seine Fans und Kritiker wissen.

Klaus Maria Brandauer in Becketts Das letzte Band

Grandiose Altersrolle: Brandauer in Samuel Becketts "Das letzte Band" (2013)

Die populistischen, nationalistischen Strömungen in seiner Heimat Österreich und in den osteuropäischen Nachbarländern Ungarn und Polen beobachtet er mit Sorge. Er sei ein großer Fan des europäischen Gedankens und sehe die Demokratie als wichtiges politisches Kulturgut an, betont er. "Jeder sollte sich einmischen, niemand sollte sagen: Ich kann nichts ändern!"

Seinen 75. Geburtstag (22.06.2018) verbringt er natürlich auf der Bühne. Im Wiener Burgtheater, das ihm 2013 den Ehrenring verliehen hat, liest er aus den Briefen von Wolfgang Amadeus Mozart.  Ein "Schmankerl", sagt er, die ernsthaften Rollen warten im Herbst auf ihn. Dann wird er in seiner unvergleichlichen Art zu spielen nochmal den "König Lear" auf der Bühne des Burgtheaters geben. Wer ihn dort wüten, schnauben und deklamieren sieht, wird dieses sinnliche Theatererlebnis vermutlich nie vergessen.