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Politik

WHO fordert Stopp von Corona-Drittimpfungen

4. August 2021

Wohlhabendere Länder sollen vorerst auf sogenannte Booster-Impfungen verzichten. Für WHO-Chef Tedros ist das ein Akt der Solidarität mit ärmeren Ländern, in denen bislang nur sehr wenige Menschen geimpft werden konnten.

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Kuwait | WHO Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus
Bild: Jaber Abdulkhaleg /AA/picture alliance

Mindestens bis Ende September solle auf "Booster"- oder Auffrischimpfungen gegen eine Corona-Infektion verzichtet werden, so der Appell von WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus. Diese dritten Impfungen zur Auffrischung der vorherigen Immunisierung sollten so lange ausgesetzt werden, bis mindestens zehn Prozent der Bevölkerung in jedem Land der Welt gegen das Coronavirus geimpft seien. Es ist der bislang schärfste Aufruf der Weltgesundheitsorganisation im Kampf gegen zunehmend ungleichere Impfquoten. Bindend sind Appelle der WHO für die Mitgliedsländer nicht.

Massives Ungleichgewicht bei der Vakzin-Verteilung

Länder mit hohen Einkommen hätten im Durchschnitt 100 Impfdosen pro 100 Einwohner verabreicht, sagte Tedros. Gleichzeitig hätten Länder mit niedrigen Einkommen nur 1,5 Dosen pro 100 Menschen verimpfen können, weil ihnen Vakzine fehlen. Es sei dringend eine Kehrtwende notwendig, so dass die Mehrheit der Impfstoffe in Länder mit niedrigen statt hohen Einkommen gehe.

So seien zum Beispiel in Afrika auch Menschen, die aufgrund ihres Alters ein besonders hohes Risiko für einen schweren COVID-19-Verlauf oder aufgrund ihres Berufs im medizinischen Bereich ein besonders hohes Ansteckungsrisiko haben, meist noch nicht geimpft.

Er verstehe die Sorge der Regierungen, die ihre Bürger vor der Delta-Variante des Virus schützen wollten. Es sei aber nicht akzeptabel, dass die Länder, die bereits den größten Teil der weltweiten Impfvorräte verbraucht haben, noch mehr davon verwenden, während gefährdete Menschen in anderen Teilen der Welt ungeschützt blieben, sagte Tedros auf einer Pressekonferenz. Katherine O'Brien, die Leiterin der WHO-Abteilung für Impfstoffe, wies bei der PK darauf hin, dass zudem noch gar nicht klar sei, ob "Booster"-Impfungen überhaupt notwendig sind.

Haiti  | Covid-19 Impfungen mit Impfstoff aus der COVAX Initiative
Ein Bild mit Seltenheitswert - Corona-Impfung im Rahmen der COVAX-Initiative in Haitis Hauptstadt Port-au-PrinceBild: Joseph Odelyn/AP/picture alliance

Israel hatte bereits im Juli begonnen, über 60-Jährige ein drittes Mal zu impfen. Die deutsche Bundesregierung kündigte am Dienstag an, von September an Drittimpfungen mit den Mitteln von BioNTech und Moderna für gefährdete Bevölkerungsgruppen anzubieten.

Die UN-Organisation hat die reichen Länder wiederholt aufgefordert, mehr zu tun, um den Zugang zu Impfstoffen in Entwicklungsländern zu verbessern. Sie argumentiert, dass niemand vor einer COVID-19-Erkrankung sicher ist, solange nicht weltweit eine große Zahl der Menschen dagegen geimpft ist. Zudem sei die Wahrscheinlichkeit, dass neue Virusvarianten auftauchen umso größer, je länger das Virus in ungeimpften Bevölkerungsgruppen zirkuliere.

EU sichert sich großes Kontingent des Novavax-Impfstoffs

Die EU hat sich derweil weitere Corona-Vakzine gesichert. Die EU-Kommission genehmigte einen Kaufvertrag für bis zu 200 Millionen Dosen des Corona-Impfstoffs von Novavax. Ursprünglich sollte der Vertrag mit der US-Biotechnologiefirma bereits Anfang des Jahres geschlossen werden, verzögerte sich dann aber. Der Impfstoff von Novavax ist in der Europäischen Union noch nicht zugelassen. Sobald die Erlaubnis der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA für das Präparat vorliegt, können die EU-Staaten bis zu 100 Millionen Dosen ordern. Zudem hat die EU eine Option über weitere 100 Millionen Dosen bis 2023 abgeschlossen.

qu/uh (dpa, rtr, afp, ap)