WHO: Weltweit immer mehr Verkehrstote

Binnen drei Jahren ist die Zahl der Todesopfer weltweit bei Verkehrsunfällen um 100.000 auf 1,35 Millionen Menschen gestiegen. Damit kommt auf den Straßen alle 24 Sekunden ein Mensch ums Leben. Die WHO schlägt Alarm.

Gut ein Viertel aller Todesopfer im Jahr 2016 seien Fußgänger und Fahrradfahrer gewesen, berichtet die Weltgesundheitsorganisation. Mittlerweile seien Verkehrsunfälle die häufigste Todesursache bei Kindern und jungen Menschen im Alter von fünf bis 29 Jahren. "Das ist ein inakzeptabler Preis, den wir für die Mobilität zahlen", erklärte WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus in Genf. "Es gibt keine Entschuldigung für Untätigkeit. Es ist ein Problem mit nachgewiesenen Lösungen."

Insgesamt stieg zwar die Zahl der Todesfälle, wie die WHO weiter erklärte. Wenn man aber den globalen Zuwachs der Bevölkerung und der Autonutzung berücksichtige, habe sich die Rate stabilisiert. Dies lege den Schluss nah, dass die vorhandenen Anstrengungen für mehr Straßensicherheit in etlichen Ländern mit hohem und mittlerem Einkommen die Lage gemildert hätten.

Genf Tedros Adhanom Ghebreyesus, Generealdirektor WHO | Ebola-Ausbruch Kongo

Er mahnt zum Handeln: WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus

WHO: Regierungen müssen mehr tun

Wie Verkehrsunfälle vermieden werden könnten, sei bekannt. Es müssten aber mehr Regierungen als bisher die Maßnahmen auch umsetzen, so der Generaldirektor. Die WHO nannte verschiedene Strategien, um die Verkehrssicherheit zu verbessern: Dazu zählen ein härteres Vorgehen gegen Raser und Fahrer unter Alkoholeinfluss sowie konsequente Vorschriften zum Anlegen von Sicherheitsgurten und dem Tragen von Helmen für Motorradfahrer. Auch sicherere Bürgersteige und eine bessere Aufklärung der Verkehrsteilnehmer über Risiken werden empfohlen.

Dramatisch sei die Lage in den ärmsten Ländern, heißt es im "Global Status Report on Road Safety" der WHO. Dort sei das Risiko, bei einem Verkehrsunfall zu sterben, weiterhin drei Mal so hoch wie in den reichen Ländern. Während in Europa pro 100.000 Einwohner statistisch gesehen im Jahr 9,3 Einwohner bei Verkehrsunfällen ums Leben kämen, seien es in Afrika 26,6.

Mangelhafte Gesetzgebung

Die WHO kritisierte, dass viele Länder keine zufriedenstellende Gesetzgebung zur Straßenverkehrssicherheit hätten. Mehr als 100 Länder mit zusammen 5,3 Milliarden Einwohnern hätten eine Gurtpflicht, aber nur 44 Länder mit 2,3 Milliarden Einwohnern hätten effektive Gesetze gegen Alkohol am Steuer. Zudem seien nur in 46 Ländern ausreichende Gesetze über Tempolimits in Kraft. Kindersitze seien nur in 33 Ländern vorgeschrieben, kritisierte die WHO. Der Bericht ergab außerdem eine "verheerende Missachtung" gegenüber den schwächsten Verkehrsteilnehmern. Mehr als die Hälfte der Verkehrstoten war entweder zu Fuß oder auf zwei Rädern unterwegs.

kle/wa (afpe, epd, dpa)

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