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Wie kommt der Hase auf den Mond?

30. September 2020

Am 1. Oktober feiern viele Asiaten das beliebte Mondfest. Wenn sie auf den Erdtrabanten schauen, sehen sie einen legendären Hasen, weil unser Gehirn unvollständige Strukturen an vertraute Formen angleichen will.

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Mond am Himmel von London
Bild: Reuters/T. Melville

Die hellen Hoch- und die dunklen Tiefebenen auf dem Mond regen die Fantasie der Menschen der unterschiedlichsten Kulturen seit jeher an.

In der westlichen Kultur hören viele Kinder früh von einem "Mann im Mond". Der entsprechende Kinderreim lautet: "Punkt, Punkt, Komma, Strich, fertig ist das Mondgesicht". In einigen afrikanischen Traditionen werden die Strukturen als Krokodil oder als Mensch gesehen, der Brennholz auf dem Rücken trägt.

Bildergalerie Raumfahrt Die Reise zum Mond
Im französischen Stummfilm "Die Reise zum Mond" von 1902 erwartet die Astronauten der "Mann im Mond" Bild: picture-alliance/dpa

Es war einmal…

Viele Asiaten erkennen in den Mondflecken einen Hasen, wahlweise mit oder ohne Mörser. Hintergrund ist eine Legende von einem Fuchs, einem Affen und einem Hasen. Irgendwann besucht der Herr des Himmels die drei Freunde als Wanderer verkleidet. 

Als er sie um Essen bat, brachte der Affe gleich Nüsse, der Fuchs klaute Fisch und Reiskuchen als Opfergaben vom Friedhof. Nur der Hase fand nichts. Und so sprang der Hase ins Feuer, um sich selbst zu opfern. Der Herr des Himmels war so gerührt, dass er den Körper des Hasen wiederherstellte und ihn mit zum Mond nahm, wo er der Gefährte der Mondgöttin Chang'e wurde.

In Anlehnung an diese Legende heißt die aktuelle chinesische Mondsonde Chang'e 4 und der Rover, den sie dort abgesetzt hat, heißt Yutu, also Jadehase.

Modell des Chinesischen Mondrovers
Modell des Chinesischen Mondrovers Yutu, der "Jadehase"Bild: Reuters

Wir sehen, was wir sehen wollen 

Das Phänomen, in (Mond-)Landschaften, Wolkenformationen oder Dingen vermeintliche Gesichter, bekannte Wesen oder Gegenstände zu erkennen, nennt man Pareidolie, was so viel wie Trug-Bild oder Schattenbild heißt.

Diese Pareidolien entstehen durch bewusst oder unbewusst hervorgerufene Fehldeutungen durch das menschliche Gehirn. Denn unser Gehirn will unklare oder scheinbar unvollständige Bilder bzw. Strukturen komplettieren und sie an vertraute Mustern und Formen angleichen. 

Anders als Halluzinationen können Pareidolien aber bewusst gesteuert werden und verschwinden auch dann nicht, wenn man das vermeintliche Gesicht/Objekt angestrengt beobachtet. Außerdem können sie in der Regel von mehreren Personen gleichzeitig wahrgenommen werden.

Vor allem mögliche Strukturen in den unendlichen Weiten des Weltalls regen immer wieder unsere Fantasie an. Hier stellt ein User gleich mal einen Bezug zum Star-Wars-Helden Han Solo her, der in der Phantasie-Chemikalie "Carbonite" eingefroren wurde.

Als die NASA diese Aufnahme des Chandra Observatoriums 2014 veröffentlichte, glaubten einige Betrachter auf den Aufnahmen des Objekts PSR B1509-58 die "Hand Gottes" zu erkennen. 

Mythische Namen auch für wissenschaftliche Projekte

Menschen haben immer schon versucht, in der Anordnung der Sterne irgendwelche Muster, Gestalten oder Gegenstände zu erkennen. Sternbilder lassen sich in fast allen Kulturen feststellen und meistens spielen dabei menschenähnliche Figuren oder Tiere eine herausragende Rolle.

Die heutigen Sternbilder gehen auf zwölf babylonische und altägyptische Tierkreiszeichen zurück, die im antiken Griechenland auf 48 erweitert wurden. Seit 1922 werden international 88 Sternbilder verwendet. 

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Bei Sternbildern spielen menschenähnliche Figuren oder Tiere eine herausragende Rolle. Bild: Fotolia/Sonja Birkelbach

Ambitionierte Weltraum-Projekte nach symbolträchtigen Mythen oder "legendäre" Figuren zu benennen, ist ebenfalls nicht ungewöhnlich: Nicht von ungefähr nannten die USA ihr Raumfahrt-Projekt, das zum ersten und bislang einzigen Mal Menschen auf den Mond brachte, das "Apollo"-Programm, das an die Sonnenfahrt des griechisch-römischen Gottes Apollo erinnern sollte. 

DW Mitarbeiterportrait | Alexander Freund
Alexander Freund Wissenschaftsredakteur mit Fokus auf Archäologie, Geschichte und Gesundheit@AlexxxFreund