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Verschleppt in Afghanistan

19. Juli 2007

Zwei Bundesbürger und deren afghanische Begleiter wurden unweit von Kabul entführt. Wer dahinter steckt, ist unklar. Das Auswärtige Amt bittet, sich mit Spekulationen zurückzuhalten.

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Karte von Afghanistan
Erst Ende Juni war ein Deutscher am Hindukusch entführt worden. Er kam wieder frei.Bild: AP

Nach Angaben der afghanischen Polizei sind die beiden Deutschen bereits am Mittwoch (18.7.07) entführt worden. Sie hätten in der Provinz Wardak an einem Dammprojekt gearbeitet. Mit ihnen wurden ihr afghanischer Fahrer und ihr Dolmetscher verschleppt, wie der Polizeichef der Provinz, Mahbobullah Amiri, mitteilte. Die bewaffneten Täter bezeichnete er als "Diebe", konnte aber keine weiteren Angaben über sie machen. Nach Angaben eines Sprechers des Innenministeriums in Kabul wurde eine "umfassende Suche" nach den entführten Deutschen und ihren afghanischen Begleitern eingeleitet.

Undurchsichtige Lage

Das Auswärtige Amt hatte am späten Mittwochabend ebenfalls mitgeteilt, in Afghanistan würden zwei Deutsche vermisst. Die genaue Lage war am Donnerstag undurchsichtig. Die Vereinten Nationen bestätigten eine Entführung in Afghanistan, bei der ein Deutscher, sein Fahrer und sein Dolmetscher verschleppt worden seien. Vier der Polizisten, die sie begleitet hatten, seien frei gelassen worden.

Auswärtiges Amt übt Zurückhaltung

Mit Zurückhaltung hat sich das Auswärtige Amt über die jüngste Entführung von zwei deutschen Staatsbürgern im Osten von Afghanistan geäußert. "Wir haben seit gestern eine Reihe von
Informationen gesammelt", sagte Ministeriumssprecher Martin Jäger am Donnerstag in Berlin. "Wir können uns ein Bild der Lage machen." Er fügte hinzu: "Sie werden verstehen, dass wir diese Informationen mit Ihnen nicht teilen können."

Zu Hintergründen der Entführung wollte er sich nicht äußern. Offenbar sind die zwei Deutschen Angehörige eines Unternehmens. Er wisse es, möge es aber nicht sagen, erklärte Jäger. "Nach den uns vorliegenden Hinweisen müssen wir von einer Entführung
ausgehen", sagte Jäger. Ohne weitere Erläuterungen gab er zu
verstehen, dass Informationen über den Fall «mit Augenmaß und einer gewissen Gelassenheit" begegnet werden sollte. In Afghanistan gebe es Leute, die den Kontakt mit der Presse nicht scheuten. Dabei würden Aussagen gemacht, die in der Wirklichkeit keinen Bestand hätten.

Widersprüchliche Angaben zu Tätern

Der Gouverneur der Provinz Ghasni, Miradschuddin Pattan, sprach am Donnerstag von sieben Entführten, zwei deutsche Staatsbürgern und fünf afghanischen Kollegen. Die sieben Männer seien auf einer Straße rund hundert Kilometer südlich von Kabul von einem Kommandeur entführt worden, der sich den Taliban angeschlossen habe.

Laut Nachrichtenagentur DPA erklärte Taliban-Sprecher Zabeeullah Mujahid hingegen, dass nach seinen Informationen kein Ausländer von den Kämpfern seiner Organisation festgesetzt worden sei. "Ich habe mich mit allen unseren Truppen in der Region in Verbindung gesetzt, aber niemand weiß irgendwas darüber", sagte er in einem Telefongespräch.

Der britische Rundfunksender BBC hatte unter Berufung auf den Gouverneur der Provinz Ghasni berichtet, die Geiseln seien offenbar in das Grenzgebiet zwischen den beiden Provinzen Wardak und Ghasni gebracht worden.

Frühere Entführungen in Afghanistan

Ende Juni war ein Deutscher im Südwesten Afghanistans zusammen mit seinem Übersetzer entführt und nach einer Woche wieder freigelassen worden. Nach Angaben örtlicher Behörden hatten die Entführer ein Lösegeld gefordert. Es war das erste Mal seit dem Sturz der Taliban Ende 2001, dass in Afghanistan ein Deutscher entführt wurde. Die Taliban hatten eine Beteiligung an dieser Entführung dementiert. (leix)