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Kampf dem Terror im Netz

Mahmoud Tawfik25. Mai 2004

"Anzahl der abgeschalteten Dschihad-Webseiten: 473" steht auf der Website von Aaron Weisburd. Er entschärft Internet-Waffen des globalen Terrors. Und hat viel zu tun.

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Auch im Internet aktiv: Dschihad-AnhängerBild: AP


Das Internet hat sich schon längst zu einem wichtigen Kommunikations- und Propagandamittel radikaler Islamisten entwickelt. Internetforen und internet-gestützte Telefonsoftware, wie "Paltalk", scheinen wie geschaffen für "Dschihadisten", die unentdeckt bleiben wollen. Dasselbe gilt für Propagandamaterial, das im Netz unzensiert verbreitet werden kann. Besonders beliebt sind Videoaufnahmen: von ehemaligen Trainingslagern in Afghanistan und von sterbenden "Märtyrern" in Tschetschenien.

Bilder als Waffen des Terrors

Jüngstes grausiges Beispiel: die Enthauptung des Amerikaners Nick Berg im Irak. Nach Informationen des US-Internetunternehmens Terra Lycos haben es die Suchbegriffe "Nick Berg Video" und "Nick Berg Enthauptung" in die Topliste der Suchanfragen geschafft. Normalerweise suchen die Internetnutzer in erster Linie nach Popstars wie Britney Spears und Porno-Seiten. Wer suchte, der konnte ziemlich leicht finden, was dem Fernsehen zu brutal war: Im World Wide Web stand das Video in voller Länge - und zwar auf al-ansar.biz, der Webseite der El-Kaida-treuen Terrorgruppierung Ansar Al-Islam. Deren Zulauf aus dem Netzpublikum währte allerdings nur kurz: Der Internet-Provider von al-ansar.biz, die malaysische Firma Acme Commerce, schaltete den Internet-Auftritt ab – man habe nicht gewusst, dass auf der Seite derartige Inhalte verbreitet würden.

El-Kaida-Terrorcamp frei Haus

"Eine Bitte an meine Brüder: Ich brauche ein Rezept für eine einfache, aber detonationsstarke Bombe", dieses Ansinnen treibt einen User namens "Al Abd" um. Fündig könnten die Hobby-Bombenbauer allemal werden: Anleitungen für den Umgang mit Sprengstoff und Waffen gibt es online. Das Internetforum www.alpalsam.com (al palsam steht für "Balsam des Glaubens") präsentiert sowohl ein Dschihad-Forum als auch ein Forum für Waffenbau. Ideologische Schriften und ausgeklügelte Ausbildungsprogramme für den "Dschihad" inklusive. Im "Mujahedeen Poisons Handbook" ("Das Gift-Handbuch der Mujahedin") oder unter dem Link www.geocities.com/falkon060 von "Qassamyoon" könnte der User "alles, was du über Sprengstoff und Gift wissen musst" erfahren. Internetforen wie "al-palsam" sind der absolute Renner unter radikalen Islamisten: Hier tauscht man sich aus und orientiert sich. Vorbedingung ist allerdings: Man sollte Arabisch können. Englischsprachige Dschihad-Seiten gibt es kaum. Deshalb landet man auch nicht automatisch bei El Kaida, wenn man in einer Suchmaschine "Jihad" oder "Terror" eingibt.

Krieg gegen den Terror – auch online

www.internet-haganah.com ist der Internet-Auftritt von Aaron Weisburd. Unter den Cyber-Islamisten von "al-ansar" und "al-palsam" hat er sich eine Menge Feinde gemacht. Weisburd hat Dutzende Webadressen von Foren, Weblogs und Internet-Seiten gesammelt, samt genauer Angaben zu den jeweiligen Internet-Providern – eine peinliche Enthüllung. Unter den auf www.internet-haganah aufgeführten Providern befindet sich seit längerer Zeit auch die Firma Acme Commerce. Nicht nur im Zusammenhang mit der bereits erwähnten Seite www.al-ansar.biz, sondern auch als Service-Anbieter für eine Reihe weiterer, gleichgesinnter Seiten. Sie alle erhielten einen Platz auf seiner "schwarzen Liste". Für seine Enthüllungen wurde www.internet-haganah schon mehrere Male "angegriffen": Es tobt eine regelrechte Netz-Schlacht zwischen Aaron Weisburd auf der einen Seite und zwischen den Internet-Islamisten und ihren Providern andererseits.

Es ist dies jedoch kein herkömmlicher Hacker-Krieg: "Zurückgeschlagen" wird nicht, das betont Aaron Weisburd - zumindest nicht mit E-Mail-Bomben und dergleichen: "Internet-Haganah ist keine Gruppe von Hackern", sagt Weisburd im Interview mit DW-WORLD, "wir halten uns an die Gesetze." Denn manchmal genüge ein einziger Anruf, um Internet-Provider auf das aufmerksam zu machen, was sich da unter ihrem Dach tummelt. Manche Anbieter seien dann auch tatsächlich schockiert und nehmen die entsprechenden Seiten sofort von ihren Servern. Manchmal dauere das Ganze etwas länger – wie im Fall von Acme Commerce und der Videosequenz mit der Geiselenthauptung. Jedes Mal jedoch, wenn eine Seite ihren Provider verliert, setzt Weisburd hinter ihren Namen ein blaues Kalaschnikow-Icon – mit Schaft nach unten.