Afrika Film Festival Köln

Landgrabbing auf der großen Leinwand

In Afrika hat der Verkauf vom Land an ausländischen Investoren im letzten Jahrzehnt drastisch zugenommen. Mit dem Thema beschäftigen sich aktuell viele Filmemacher, wie das diesjährige Afrika Film Festival Köln zeigt.

Filmstill The Shore Break (The Shore Break)

Filmstill "The Shore Break"

"Wie können sie sagen, das Land gehöre uns nicht?" fragt Okello O. entsetzt in die Kamera. "Hier sind unsere Ahnen begraben, hier sind wir geboren und aufgewachsen", erzählt der alte Mann. Der Kleinbauer ist nur einer von vielen, die in der Region Gambella im Westen Äthiopiens ihren Heimatort verlassen mussten. Damals kaufte eine saudische Agrargesellschaft große Flächen eines Nationalparks auf, um diese in Reisfelder zu verwandeln.

Das Schicksal der Vertriebenen und die Konflikte, die daraufhin in der Region entstanden, werden in dem Film "Dead Donkeys Fear No Hyena - Das grüne Gold" erzählt. Die Dokumentation des schwedischen Regisseurs Joakim Demmer wurde auf dem 15. Afrika Film Festival Köln präsentiert. Noch bis zum ersten Oktober zeigt das Festival 80 Filme aus 25 Ländern Afrikas - darunter eine Reihe von Dokumentar- und Spielfilmen zum Thema "Landgrabbing und Migration". Zahlreiche Filmemacher und Aktivisten sind zu Gast.

Hunger trotz Agrarinvestitionen

Was sind die Auswirkungen für die Bevölkerungen afrikanischer Staaten, wenn große Landflächen durch ausländische Unternehmen erworben werden, um industrielle Landwirtschaft oder Bergbau zu betreiben? Zusammen mit dem äthiopischen Umweltjournalisten Argaw Ashine recherchierte Demmer über Hintergründe und Konsequenzen des Landraubs in Äthiopien. Ein wichtiger Aspekt sei die Sicherung von Grundnahrungsmitteln, so Ashine. "Millionen von Menschen brauchen jedes Jahr Lebensmittelhilfe", erklärt er. "Aber die ausländischen Investoren kommen ins Land und produzieren Ernten für den Export, nicht für uns."

Filmstill Das grüne Gold (Neue Visionen Filmverleih)

Filmstill "Das grüne Gold": Großinvestoren statt Kleinbauern

Der Film kritisiert nicht nur ausländische Firmen, sondern auch die Komplizenschaft der äthiopischen Regierung. Zudem gibt er  internationalen Institutionen eine Mitverantwortung: Ein von der Weltbank gefördertes Entwicklungsprogramm soll zum Beispiel der ländlichen Bevölkerung Zugang zu Wasser, Nahrung und sozialen Einrichtungen verschaffen. In manchen Teilen Äthiopiens sei das Projekt jedoch als Vorwand verwendet worden, um den Menschen das Land wegzunehmen, so Regisseur Demmer. Denn die Regierung drängte die Menschen zum Teil sogar mit Hilfe des Militärs, ihr Land zu verlassen und in neue Dörfer zu ziehen, wo sie angeblich von dem Projekt profitieren konnten. "Es hat sich sehr schnell herausgestellt, dass es in diesen Dörfern auch keine Hilfe gab", empört sich der Filmemacher. "Das Land, das die Leute verlassen mussten, ging dann auch direkt an Investoren."

Küstenlandschaft in Südafrika bedroht

Ein ähnliches Schicksal fürchten die Pondos in der Region Amadiba in Südafrika. Die Bewohner der Küstenregion am Indischen Ozean wehren sich gegen das Vorhaben eines australischen Konzerns, dort eine Titanmine zu eröffnen. Diesen Kampf zeigt der Dokumentarfilm "The Shore Break" der südafrikanischen Regisseurin Ryley Grunenwald. "Unsere Sorge ist, dass der Abbau auf dem Land stattfinden wird, das wir für die Landwirtschaft nutzen", erklärt die Umweltaktivistin Nonhle Mbuthuma, Hauptprotagonistin des Filmes. Das Minenprojekt bedrohe nicht nur die Umwelt, sondern auch die traditionelle Lebensweise der Pondos, sagt sie: "Wenn man uns das Land wegnimmt, nimmt man uns unsere Identität."

Nonhle Mbuthuma, Protagonistin vom Film The Shore Break in Köln (DW/A. Gensbittel)

Nonhle Mbuthuma engagiert sich gegen ein Minenprojekt in Südafrika

Die südafrikanische Regierung argumentiert, dass das Vorhaben des Minenkonzerns dabei helfe, die Entwicklung der Region voranzutreiben. Das sei zu kurzfristig gedacht, kritisiert Mbuthuma. Statt auf die Gewinnung von Titan solle Südafrika lieber auf nachhaltigere Aktivitäten, wie zum Beispiel Ökotourismus, setzen. "Eine solche Mine ist nach etwa 22 Jahren erschöpft" sagt sie. "Was wird die nächste Generation nach 22 Jahren machen? Nichts, das Land wird völlig zerstört sein."

Keine Aufklärung über Radioaktivität

Welche negativen Konsequenzen manche Bergbau-Aktivitäten haben können, zeigt der Film "La colère dans le Vent" von Amina Weira. Die Regisseurin aus dem Niger ist in der Stadt Arlit aufgewachsen, wo der französische Konzern Areva seit 1976 Uran abbaut. "Es sind schon viele Filme über Arlitt gedreht worden", erzählt die junge Filmemacherin. "Aber sie beschreiben die Bergbautätigkeit vor allem aus der Sicht der Konzern-Vertreter."

Regisseurin Amina Weira aus Niger, zu Besuch beim Afrika Filmfestival Köln. (DW/A.Gensbittel)

Die nigrische Regisseurin Amina Weira zu Besuch beim Afrika Film Festival Köln

Weira hingegen will in ihrem ersten Dokumentarfilm auf Umwelt- und Gesundheitsprobleme in Arlit hinweisen und vor allem die Bevölkerung zu Wort kommen lassen. Sie unterhielt sich mit ehemaligen Minenarbeitern, darunter ihr eigener Vater, und mit vielen Bewohnern der Stadt über ihren Alltag.

Der Film kritisiert vor allem den Mangel an Aufklärung über die Gefahr der Radioaktivität. "Wenn die Bevölkerung wüsste, wie gefährlich Radioaktivität für die menschliche Gesundheit ist, würde sich zum Beispiel keiner trauen, Metallschrott aus der Mine weiterzuverarbeiten und zu verkaufen", so die Regisseurin. In Arlit sei der Schaden bereits geschehen und die Stadt völlig verseucht. Mit ihrem Film will Amina Weira jetzt erreichen, dass die gleichen Fehler woanders zukünftig vermieden werden.

 

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