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Journalisten als Friedensstifter

28. Januar 2007

Journalisten als Friedensstifter? Der Friedensjournalismus zeigt Möglichkeiten einer lösungsorientierten Berichterstattung auf. Doch diese Theorien in die Praxis umzusetzen, ist leichter gesagt als getan.

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Können Journalisten als Friedensstifter agieren?Bild: AP

Der norwegische Friedensforscher und Träger des alternativen Nobelpreises, Johan Galtung, prägte den Begriff des Friedensjournalismus. Galtung erarbeitete zusammen mit dem Kommunikationswissenschaftler Richard C. Vincent ein Zehn- Punkte-Konzept, mit praktischen Hinweisen und Tipps für Journalisten. Danach sollen Journalisten etwa die Hintergründe eines Konfliktes beleuchten, die Lügen aller Beteiligten aufdecken und Lösungsansätze formulieren.

"Friedensjournalismus fordert Qualität"

Das Konzept von Galtung & Vincent sei aber nur eine mögliche Definition von Friedensjournalismus, so Nadine Bilke, Online-Redakteurin des ZDF und Autorin des Buches "Friedensjournalismus". "Friedensjournalismus hat ganz schillernde Definitionen und wird für alle möglichen Dinge in Anspruch genommen." Und so betrachtet Bilke einiger dieser Regeln durchaus kritisch. "Manche fordern zum Beispiel brutale und grausame Bilder. Ich denke nicht, dass das immer das richtige Mittel ist. Manchmal ist weniger eben mehr." Der Friedensjournalismus fordere vielmehr eine Qualität in der Berichterstattung. "Ich sehe im Friedensjournalismus eine mögliche Richtschnur, um eine qualitativ hochwertige Konfliktberichterstattung zu ermöglichen", so Bilke.

Medien und Journalisten stehen einer lösungsorientierten Berichterstattung jedoch skeptisch gegenüber: Auch Konfliktberichterstattung unterliege gängigen journalistischen Zwängen wie Aktualitätsdruck und medialem Konkurrenzkampf. Die Kritiker vertreten etwa den Standpunkt, es fehle schlicht die Zeit für eine derartig komplexe und vielschichtige Berichterstattung, wie sie der Friedensjournalismus fordert. "Natürlich sind Zeitdruck und begrenzte Mittel da. Aber in diesem Rahmen kann ich dennoch versuchen, meine Arbeit auszurichten", so Bilke. Wichtig ist laut Nadine Bilke auch der Rückhalt aus der eigenen Redaktion.

Neben dem Zeitdruck sieht Marcel M. Baumann vom Arnold-Bergstraesser-Institut für kulturwissenschaftliche Forschung in Freiburg, in einer Art journalistischer "Aufmerksamkeitsfalle" eine große Gefahr für den Friedensjournalismus. "Viele Journalisten tappen leider in diese Falle, die Aufmerksamkeit richtet sich dann nur noch auf bewaffnete Auseinandersetzungen und Eskalationen." Spektakuläre Bilder und actiongeladene Live-Berichte über eben diese Konflikte ziehen die Massen an und vermitteln überdies ein falsches Bild der Wirklichkeit. Laut Baumann seien die Menschen durch die Medien über einen jahrzehntelangen Prozess erst dazu erzogen und konditioniert worden, diese Gewaltszenen zu konsumieren. "Grundsätzlich bin ich davon überzeugt, dass die Mehrheit der Menschen nämlich nicht das Bedürfnis hat, Gewaltszenen zu sehen," so Marcel Baumann.

Björn Schneider, Studiengang Online-Journalismus, Hochschule Darmstadt