Reformation

Was Protestanten und Katholiken trennt

Sie beten zu demselben Gott, doch leben in verschiedenen Glaubenswelten. 500 Jahre nach der Reformation erinnert der Versöhnungsgottesdienst an die immer noch schmerzhafte Trennung zwischen Protestanten und Katholiken.

Mainz - Heinrich Bedford-Strohm und Reinhard Kardinal Marx (picture-alliance/dpa/F. von Erichsen)

EKD-Ratsvorsitzender Heinrich Bedford-Strom (links) und Reinhard Kardinal Marx

In Deutschland, dem Land der Reformation, standen sich katholische und evangelische Christen noch bis vor kurzem in tiefer Feindschaft gegenüber. Zahlreiche Verwerfungen, gegenseitige Verletzungen, Lehrverurteilungen, religiös motivierte Konflikte und Kriege begleiteten diese Trennung.

Der Grund: Mit der Reformation begann die Spaltung der Kirche in eine katholische und eine evangelische Konfession. Denn der Wunsch des katholischen Mönches Martin Luther (1483-1546), "seine" Kirche zu reformieren, erfüllte sich nicht.

500 Jahre nach dem Bruch mit Rom soll das Jubiläum nach dem Willen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) als gemeinsames Christusfest mit der katholischen Kirche begangen werden. Doch trotz der Suche nach Annäherung und Aussöhnung trennen die beiden Konfessionen bis heute grundlegende Glaubensunterschiede. Hier die wichtigsten Punkte:

1. Bibelverständnis
Katholizismus und Protestantismus haben unterschiedliche Auffassungen über die Bedeutung und die Autorität der Bibel. Für Evangelische ist seit Luther klar: "Sola Skriptura" - die Bibel ist die einzige Quelle für das Wort Gottes. Katholiken hingegen glauben, das die Bibel allein nicht ausreichend ist, sondern dass neben der Heiligen Schrift auch die römisch-katholische Tradition für Christen bindend ist.

2. Kirchenverständnis
Die katholische Kirche (katholisch = allumfassend) versteht sich als alleinige wahre Kirche – weltumspannend, unter der Führung des Papstes. Die aus der Reformation hervorgegangenen Kirchen (evangelisch = dem Evangelium entsprechend) hingegen betrachten sich trotz ihrer Verschiedenheit alle als gleichwertig.

Vatikan Papst - Sonntags-Angelusgebet (Getty Images/AFP/A. Pizzoli)

Auch wenn viele Protestanten Papst Franziskus mögen - das Papstamt lehnen sie kategorisch ab

3. Papstamt
Keineswegs tolerant sind die Protestanten mit Blick auf das Papstamt. Dieses widerspricht nach evangelischer Auffassung den Aussagen der Bibel. Katholiken sehen im jeweiligen Papst den Nachfolger des Apostels Petrus - und somit das von Jesus Christus bestimmte Oberhaupt ihrer Kirche.

4. Amtsverständnis
Nach katholischem Verständnis erhalten Bischöfe, Priester und Diakone durch die Weihe eine besondere Prägung Gottes für ihren Dienst. Deshalb steht der Dienst des Priesters über dem der katholischen Laien. Begründet wird das mit einer angeblich ununterbrochenen Kette von Weihen, die vom ersten Jahrhundert bis in die Gegenwart reicht. Die Weihe können nur Männer bekommen. Die evangelische Kirche sieht im geistlichen Amt keine Weihe der Person, sondern eine von Gott gewollte Funktion. Diese Funktion kann auf jeden Gläubigen übertragen werden – auch auf Frauen.

5. Eucharistie oder Abendmahl:
Wie stark das Amtsverständnis der Katholiken das sakrale Handeln beeinflusst und das ökumenische Miteinander beeinträchtigt, wird beim Blick auf Eucharistie oder Abendmahl deutlich. Beide Begriffe stehen für jene Handlung im Gottesdienst, die Sterben und Auferstehung Jesu Christi vergegenwärtigen soll. Es geht zurück auf das letzte Mahl, das Jesus mit seinen Jüngern am Vorabend seiner Kreuzigung einnahm.

Kirchentag Abendmahl (AP)

Getrennte Christenheit: Das Abendmahl nehmen Katholiken und Protestanten separat ein

Der katholischen Eucharistie darf nur ein geweihter Priester vorstehen. Nur er kann im Namen Jesu Brot und Wein in Leib und Blut Christi verwandeln. Nicht-Katholiken sind nicht zugelassen. In der evangelischen Kirche ist generell jeder Getaufte eingeladen, am Abendmahl teilzunehmen und jeder Getaufte kann das Abendmahl leiten. Deswegen lehnt die katholische Kirche die Mahlgemeinschaft mit Protestanten ab.

Außerdem hat das Abendmahl je nach Konfession eine andere Bedeutung. Katholiken sehen darin eine ständige Wiederholung der Opfer Jesu Christi. Die Hostie wird in ihrer Interpretation zu Jesus und kann dann angebetet werden. Für evangelische Christen wird mit dem Abendmahl lediglich an den Tod und die Auferstehung Jesu erinnert. Besonders herausgestellt wird die Gemeinschaft derer, die das Abendmahl feiern.

6. Sakramente
In der römisch-katholischen Kirche gibt es sieben heilige Handlungen, sogenannte Sakramente: Taufe, Firmung, Eucharistie, Beichte, Ehe, Priesterweihe und Krankensalbung. In der evangelischen Kirche sind es nur zwei: die Taufe und das Abendmahl (Eucharistie). Sie werden als symbolisch-rituelle Handlungen verstanden, durch die Gott Menschen in ihrem Glauben verbindet und segnet.

7. Marien- und Heiligenverehrung
Katholiken verehren Maria, die Mutter Jesu, als "Himmelskönigin" und stellen sie in vielen Dingen mit Jesus gleich. Zu den Mariendogmen gehört die Rettung Marias von der Erbsünde und ihre leibhaftige Aufnahme in den Himmel. Da es für diese Dogmen keine biblischen Belege gibt, werden sie von evangelischer Seite abgelehnt.

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Der Zölibat in Zeiten des Priestermangels - nicht mehr zeitgemäß?

Zusätzlich praktiziert die katholische Kirche die Heiligenverehrung. Verstorbene Glaubensvorbilder, die in der Kirchengeschichte heilig gesprochen wurden, werden um ihre Hilfe und Fürbitte gebeten. Gläubige erwarten von den über 4000 Heiligen Wunder und beten ihre Reliquien an. Die evangelische Kirche lehnt die Heiligenverehrung als unbiblisch ab. Nach reformatorischem Verständnis soll sich jeder Mensch im Gebet direkt an Gott wenden.

8. Zölibat
Das Versprechen ehelos und sexuell enthaltsam zu leben, kennen alle großen Weltreligionen – auch die katholische und die evangelische Kirche. In der katholischen Kirche ist der Zölibat für Priester und Ordensleute verpflichtend. Er wird verstanden als Zeichen der ungeteilten Nachfolge Christi.

Die evangelischen Kirchen lehnen den Zölibat als Pflicht ab. Bereits 1520 forderte Martin Luther seine Abschaffung. Dazu leistete er selbst 1525 den entscheidenden Beitrag. Der frühere Mönch heiratete die ehemalige Nonne Katharina von Bora. Sie begründeten durch ihre Heirat eher nebenbei das "Evangelische Pfarrhaus", das über die Jahrhunderte zu einem Merkmal der Gemeinde wurde.

TV-Thementag: 500 Jahre Reformation. Alles rund um Martin Luther und die Reformation am 31.10.2017 einen ganzen Tag lang bei DW Deutsch und in unserem Online-Special auf dw.com/kultur.
 

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