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Literatur

Corona beeinflusst den Buchmarkt

Cornelia Ganitta
26. Mai 2021

Neue Zahlen zeigen: E-Books sind in der Pandemie sehr gefragt. Dafür gingen Reisebücher baden, Buchhandlungen machten Verluste. Profitiert haben Kochbücher.

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Zwei Mädchen lesen auf und vor einem Sofa, zwischen ihnen ein Stapel Bücher
Eine gute Nachricht zu Coronazeiten: Kinder lesen mehr BücherBild: Westend61/imago images

Eigentlich hätte Ende Mai 2021 die traditionsreiche Leipziger Buchmesse stattfinden sollen. Doch ist sie wegen der Pandemiezum zweiten Mal in Folge abgesagt, zumindest die Veranstaltungen auf dem Messegelände. Statt des üblichen Branchentreffs, das für gewöhnlich rund 300.000 Besucher in das sächsische Handelszentrum lockt, organisiert die Messe in diesem Jahr 300 "Leipzig liest"-Aktionen, die in der Stadt oder virtuell am heimischen Bildschirm über die Bühne gehen. Mit digitalen Veranstaltungen folgt die Messe einem Trend, der in der Pandemie an Fahrt aufgenommen hat. "Ich bin überzeugt davon, dass dieses Konzept in einer sich verändernden Gesellschaft, die digitaler wird, dringend gebraucht wird, um Menschen zusammenzubringen", kommentierte Buchmesse-Chef Oliver Zille die Digitalisierung von Veranstaltungen, die eine weltweite Teilhabe ermöglicht und Corona überdauern dürfte.

Menschen strömen durch die Hallen der Leipziger Buchmesse 2019
Da herrschte noch Gedränge: die Leipziger Buchmesse 2019Bild: Tom Schulze

Aber auch beim Vertrieb gibt es eine Tendenz in diese Richtung. Kein Wunder, denn durch die zeitweilige Schließung stationärer Buchläden während der beiden Lockdowns blieb Liebhabern von Druckwerk nichts anderes übrig, als bei ihrer Buchhandlung Bücher online oder telefonisch zu bestellen. Wie die Gesellschaft für Konsumforschung (GFK) herausfand, haben während der Pandemie rund eine Million Menschen erstmals von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht. Auch der Umsatz von E-Books stieg im ersten Corona-Halbjahr mit 17,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum deutlich an.

Lesen als Halt in Krisenzeiten

Lernen am Limit - Kinder in der Krise

"Schöngeistiges" (minus 1,6 Prozent) und auch das Sachbuch (minus 1,3 Prozent) allerdings zählen nicht zu den Gewinnern der pandemiebedingten Auszeit, obwohl hier allgemein ein gesteigertes Leseinteresse festzustellen ist. Diesbezüglich läuft das Kinderbuch der Belletristik den Rang ab, da vor allem Schülerinnen und Schüler in einer von Isolation und Homeschooling geprägten Zeit das Lesen für sich entdecken. Über alle Vertriebswege hinweg sind hier im Vergleich zum Vorjahr Zuwächse von 4,7 Prozent zu nennen. Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, nennt hierfür die Gründe: "Die große Nachfrage nach Kinder- und Jugendbüchern in den vergangenen Monaten macht deutlich, dass Bücher in Krisenzeiten auch in diesem Bereich eine wichtige Funktion übernehmen: Sie bieten nicht nur Beschäftigung, sondern ermöglichen auch Bildung und geben Halt."

Neben Kinderbüchern konnten Koch- und Backbücher mit einer Steigerung von 7,6 Prozent im Vergleich zu 2019 punkten. Der größte Umsatzrückgang (minus 26 Prozent) hingegen wurde im Segment der Reiseliteratur konstatiert. Allerdings gehen hier die Zahlen 2021 angesichts von Lockerungen vielerorts schon wieder deutlich nach oben, wie aus dem monatlich aktualisierten Branchen-Monitor Buch des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels hervorgeht.

Kooperationen mit dem Ausland

Eine mit Corona-Schutzmaske vermummte Buchhändlerin hält ein Kinderbuch hoch
Harte Zeiten für die Inhaber von Buchhandlungen wie "Der kleine Laden" in BonnBild: Marina Borisowa/DW

Bei Kooperationen mit dem Ausland ist die Frankfurter Buchmesse maßgeblich. Sie ist nicht nur Organisatorin der - nach eigenen Angaben - "internationalsten Messe für Bücher und Inhalte", sondern richtet auch deutsche Gemeinschaftsstände auf Buchmessen weltweit aus, von London über Havanna bis Peking oder Sao Paulo. Aktuell ist sie verantwortlich für den deutschen Ehrengast-Pavillon auf der Buchmesse in Abu Dhabi (ADIBF). Einer Analyse von "Buch- und Buchhandel in Zahlen" zufolge ist Literatur aus Deutschland bei internationalen Verlagen sehr gefragt, allem voran das Segment Kinder- und Jugendbuch, was sich in einer wachsenden Zahl von Lizenzabschlüssen niederschlägt. Auf Platz zwei rangiert die Belletristik. Gefragte Autoren waren zuletzt etwa Ferdinand von Schirach, Sebastian Fitzek oder auch Charlotte Link. Bei den Übersetzungen ins Deutsche blieb Englisch die mit Abstand wichtigste Herkunftssprache.

Bilanz besser als angenommen

Auch in Deutschland selbst zählten diese Schriftsteller zuletzt zu den beliebtesten Autoren. Meistverkaufter Roman war wie bereits 2019 ein Titel von Sebastian Fitzek ("Der Heimweg"), gefolgt von "Der Gesang der Flusskrebse" der amerikanischen Schriftstellerin Delia Owens. Auf Platz drei kam Ken Folletts "Kingsbridge - Der Morgen einer neuen Zeit". Bei den Sachbüchern machte die Autobiografie "Ein verheißenes Land" von Barack Obama das Rennen vor Ferdinand von Schirachs und Alexander Kluges Buch "Trotzdem", in dem die Autoren die Folgen der Corona-Pandemie für unsere Gesellschaftsordnung und bürgerliche Freiheit ergründen. Mit "Unsere Welt neu denken" belegte die deutsche Politökonomin Maja Göpel Rang drei.

Ein Bild aus der Zeit vor Corona: Zwei Mädchen lauschen einem Hörbuch auf der Leipziger Buchmesse
Ein Bild aus Vor-Corona-Zeiten: reges Besucherinteresse beim Messepublikum in LeipzigBild: Jens-Ulrich Koch/Leipziger Buchmesse

Alles in allem kam der deutsche Buchmarkt im Corona-Jahr 2020 mit einem blauen Auge davon: Der Umsatzrückgang betrug 2,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Mehr noch: In Zeiten von Lockdowns habe sich eine größere Lesebereitschaft bemerkbar gemacht, heißt es beim Börsenverein. Lediglich die stationären Buchhandlungen mussten wegen der wochenlangen Ladenschließungen ein Minus von 8,7 Prozent hinnehmen. Viele Verlage verschoben geplante Titel ins nächste Jahr oder strichen sie ganz von der Liste.