DHB-Team verpasst WM-Bronze gegen Frankreich

In einem spannenden Match mit Herzschlagfinale unterliegt Deutschlands Handball-Nationalteam Rekordweltmeister Frankreich. Zwar geben die Deutschen alles, doch am Ende schlägt Frankreich in letzter Sekunde zu.

Trotz guter Leistung und großem Kampf - vor allem in der Defensive - konnten sich Deutschlands Handballer zum Abschluss des Turniers die Bronzemedaille bei der Handball-WM nicht sichern. Zwei Tage nach der Halbfinalniederlage gegen Norwegen unterlag die DHB-Auswahl mit 25:26 (13:9) gegen Rekordweltmeister Frankreich. Es wäre mehr drin gewesen, vor allem nach der deutlichen Pausenführung. Doch eine frühe Herausstellung, eine Verletzung und zu viele Fehler im Spielaufbau machten Bundestrainer Christian Prokop und seinem Team beim Traum von WM-Edelmetall einen Strich durch die Rechnung.

Lange Durststrecke, guter Schluss

Von Anfang an entwickelte sich ein munteres Spiel ohne Vorteile für die eine oder andere Seite. Beim Stand von 4:3 erhielt Deutschlands Kreisläufer Patrick Wiencek eine Zeitstrafe. Prokop schickte sechs Feldspieler aufs Parkett, um die Unterzahl auszugleichen, doch zweimal fingen die Franzosen den Ball ab und trafen aus weiter Entfernung ins leere Tor. Nachdem wieder Gleichzahl herrschte, konnte sich Torhüter Andreas Wolf gleich mit einer Parade auszeichnen und bescherte seinem Team einen 7:5-Vorsprung. Wenig später erhöhte Uwe Gensheimer nach einem erneuten Ballgewinn in der Defensive mit einem spektakulären Drehwurf aus vollem Lauf auf 9:6. Auch aufgrund einer erneuten Unterzahl nach einem Foul von Paul Drux kam Frankreich bis zur 24. Minute wieder auf 9:9 heran. Die DHB-Auswahl erlebte in dieser Phase eine lange Durststrecke ohne eigenes Tor.

Immer voll dabei: Bundestrainer Christian Prokop peitschte sein Team immer wieder nach vorne

Prokop nahm eine Auszeit und gab seinen Spielern folgende Ansage mit auf den Weg: "Mutige Teams gewinnen Spiele!". Und gleich wurde es besser: Frankreich geriet nach einer Regelübertretung von Luka Karabatic seinerseits in Unterzahl und Wiencek erlöste das deutsche Team in der 26. Spielminute nach 9 Minuten und elf Sekunden Torlosigkeit mit dem 10:9. Bis zur Pause erhöhte Deutschland sogar auf 13:9. 

Wiencek früh rausgestellt

Kurz nach Wiederanpfiff stieg Wiencek in der Abwehr etwas zu heftig ein und wurde erneut für zwei Minuten gesperrt. Die Franzosen nutzten ihre Überzahl für zwei Tore. Kurz nach Ablauf der Zeitstrafe gelang sogar der 14:14-Ausgleich. Der schöne Halbzeit-Vorsprung war dahin. Wenig später folgte der nächste Rückschlag, als Wiencek zum dritten Mal eine Zeitstrafe bekam und folgerichtig mit Roter Karte vom Feld musste. Sein eigentlicher Ersatzmann als zentraler Abwehrmann und Kreisläufer, Hendrik Pekeler, hatte sich in der ersten Halbzeit an der Schulter verletzt und konnte nicht mehr im gewohnten Umfang mitspielen, Prokop musste also improvisieren. Sekunden nach Wienceks Platzverweis ging Frankreich mit 15:14 in Führung. Es folgte eine etwas wilde Phase, in der es hin und her ging. Bei erneuter Unterzahl folgte der nächste vermeidbare Fehler auf deutscher Seite: Ein Querpass in die Arme des Gegners. Frankreich warf seinen 17. Treffer, es war bereits der fünfte ins leere deutsche Tor.

Antreiber und "Fels in der Brandung" - Patrick Wiencek musste nach drei Zeitstrafen vom Feld

Prokop nahm bereits in der 44. Spielminute beim Stand von 16:18 seine letzte Auszeit und ermahnte seine Spieler, als Mannschaft gegen die Franzosen vorzugehen, nicht mit Einzelaktionen. Sein Team bemühte sich, dem Wunsch des Trainers Folge zu leisten, tat sich aber schwer, das Spiel wieder zu drehen, weil das französische Team in dieser Phase kaum noch Fehler machte. Bis zum 24:24 legte Frankreich jeweils ein Tor vor, mit großem Aufwand schaffte Deutschland den Ausgleich. Prokop wechselte den Torwart und schickte Silvio Heinevetter für Wolf zwischen die Pfosten. Der hielt zwar gleich seinen ersten Ball, doch da Gensheimer bei der Abwehraktion gefoult hatte, bekam Deutschlands Kapitän eine Zwei-Minuten-Strafe und Frankreich einen Siebenmeter, der zum 25:24 führte.

Karabatic in letzter Sekunde

Es blieb spannend: Eine Minute vor dem Ende verwandelte Matthias Musche einen Siebenmeter zum 25:25. Frankreich in Ballbesitz nahm 30 Sekunden vor dem Ende seine letzte Auszeit. Es wurde dramatisch: Heinevetter hielt den Versuch der Franzosen, Deutschland startete 15 Sekunden vor dem Schluss einen Schnellangriff, verlor den Ball aber beim Spiel an den Kreis. Erneut ging es im Eiltempo auf die andere Seite, und Nikola Karabatic machte in der allerletzten Sekunde das Tor zum 26:25-Sieg und zu WM-Bronze. Die Franzosen feierten ausgelassen, die deutschen Spieler sackten enttäuscht zu Boden.

"Der Schmerz ist groß, weil wir uns nie aufgegeben haben, aber die clevere Mannschaft waren heute die Franzosen", räumte Prokop im ZDF-Interview ein. "Am Ende haben wir noch die Chance, aber das Ende ist es halt brutal." "Wir haben ein sehr gutes Spiel um Platz drei gemacht, aber uns dann zu viele Dummheiten geleistet", fasste Andreas Wolf das Spiel zusammen. Sein WM-Fazit: "Wir haben eine sehr tolle Weltmeisterschaft gezeigt. Die Mannschaft hat top gespielt. Wir sind nicht ausgeschieden, weil wir sang- und klanglos untergegangen sind gegen ein zweitklassiges Team, sondern wir haben gegen Vizeweltmeister Norwegen verloren. Wir haben heute auch erst zum zweiten Mal verloren gegen die individuell beste Mannschaft. Bitter, dass wir uns nicht mit einer Medaille belohnen konnten. Aber wir haben gezeigt, warum Handball so eine tolle Sportart ist."