Freude und Skepsis nach Freilassungen in Myanmar

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07.05.2019

Freude über Freilassung

Ungeachtet der Freilassung der Reuters-Journalisten werden Kritiker des Militärs in Myanmar eingeschüchtert. Politische Gefangene sind weiterhin in Haft.

Er wird auf jeden Fall weiter als Journalist arbeiten. Als Wa Lone (links) am Dienstagmorgen durch das Gefängnistor geführt wurde, sagte er: "Ich kann es kaum erwarten, wieder in der Redaktion zu sein." Anderthalb Jahre lang schien es, als würde Myanmars Regierung genau das nicht wollen. Das Reporter-Duo der Nachrichtenagentur Reuters wurde im Dezember 2017 verhaftet, als es an einem Bericht über eine Militäroperation gegen die Minderheit der Rohingya arbeitete.

Die UNO schließt inzwischen nicht mehr aus, dass es sich bei den Militäroperationen im Bundestaat Rakhine im Sommer 2017 um Völkermord handeln könnte. Während in Bangladesch in einem wochenlangen Exodus insgesamt mehr als 700.000 erschöpfte und verwundete Opfer ankamen, leugneten in Myanmar Militär und Regierung sämtliche Menschenrechtsverletzungen.

Reuters-Journalist Kyaw Soe Oo kurz vor dem Urteil im August 2018

Symbol für Pressefreiheit 

Doch sie hatten die Rechnung ohne Wa Lone und Kyaw Soe Oo gemacht. Die beiden machten in der Krisenzone Täter ausfindig, die gestanden, Rohingya ermordet zu haben. Wegen Verrats von Staatsgeheimnissen wurden die beiden vor den Augen einer entsetzten Weltgemeinschaft im vergangenen September zu sieben Jahren Haft verurteilt. Beobachter bezeichneten das Verfahren als mindestens fragwürdig. Staatsrätin und Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi verteidigte die Verurteilung dagegen mehrfach öffentlich.

Die Verhaftung der beiden sorgte unter Journalisten in Myanmar für ein Klima der Angst. Viele gaben zu, sich selbst zu zensieren. Recherchen in der Krisenregion Rakhine  galten als riskant. Wa Lone und Kyaw Soe Oo sind zu einem weltweiten Symbol für Pressefreiheit geworden. Die beiden gewannen für ihre bedeutende Recherche in den vergangenen Monaten so gut wie alle Journalistenpreise, die es gibt. Zuletzt wurde das Reuters-Team mit dem renommierten Pulitzer-Preis ausgezeichnet.

Journalistenvereinigungen, Prominente, Kollegen, Familie und Freunde setzten sich anderthalb Jahre lang dafür ein, dass die beiden freikommen. "Ich will allen danken, die uns im Gefängnis unterstützt haben und allen, die auf der ganzen Welt für unsere Freilassung gekämpft haben", sagte Wa Lone  am Dienstagmorgen vor Reportern.

Die Ehefrauen der beiden Journalisten auf dem Time-Cover 2018

"Freilassung war überfällig"

Die beiden Journalisten wurden im Rahmen einer Gefangenen-Amnestie, die in Myanmar zum buddhistischen Neujahr Tradition hat, wie Tausende andere von Präsident Win Myint in die Freiheit entlassen. "Die beiden hätten nie verhaftet, geschweige denn eingesperrt werden dürfen. Ihre Freilassung war lange überfällig", kommentierte Phil Robertson, stellvertretender Asien-Direktor von Human Rights Watch.

Für die Familien der beiden Reporter dürfte heute ein neues Leben beginnen. Was die Freilassung allerdings für Journalisten und die Pressefreiheit in Myanmar bedeutet, ist weniger klar. "Die Realität ist, dass Myanmar nach wie vor an einer Reihe von repressiven Gesetzen festhält und Journalisten, Aktivisten und Kritiker des Staats einsperrt", gab Amnesty International in einer Mitteilung zu bedenken.

Regierungschefin Aung San Suu Kyi hatte die Reporter nicht verteidigt

Enttäuscht von Suu Kyi

Aktivisten weisen außerdem darauf hin, dass zwar zwei prominente Häftlinge freikamen, aber weiterhin mehr als 300 politische Gefangene bangen müssen. Zu ihnen zählt auch eine Gruppe junger Bürger, die vor wenigen Wochen wegen Verleumdung angezeigt wurden. Ihr Vergehen war eine öffentliche Satire-Performance, bei der sie das Militär kritisierten. Eine von ihnen ist Su Yadanar Myint. Als die Deutsche Welle 2016 über die Auftritte der jungen Leute beim buddhistischen Neujahrsfest in Myanmar berichtete, war sie voller Optimismus, dass unter der Regierung von Nationalheldin Aung San Suu Kyi alles besser werden würde. "Es ist unsere Regierung", sagte sie damals.


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