Neuer deutscher Sachbuchpreis

Ab 2020 soll eine Sachbuch-Auszeichnung verstärkt gesellschaftliche Debatten anstoßen. Das ist zumindest die Hoffnung der Buchbranche. Die bei den Lesern beliebten Ratgeber allerdings werden nicht prämiert.

Man mag es kaum glauben, aber dem Sachbuch geht es in Deutschland ausgesprochen gut. Gegen den Trend stieg der Umsatz im vergangenen Jahr um fünfeinhalb Prozent. Wozu also noch eine verkaufsfördernde Auszeichnung, wo es doch schon eine ganze Reihe von Sachbuchpreisen gibt?
"Wir wollen als Buchbranche Debatten anregen, die heute notwendiger sind als je zuvor", sagt Heinrich Riethmüller von der Stiftung Buchkultur und Leseförderung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, die den Preis vergeben wird."

Dieser Preis, ergänzt er, sei ein langgehegter Wunsch des Buchhandels, der in einem unübersichtlichen Markt Orientierung bieten will. Die beliebten Ratgeber werden allerdings nicht zu den Preisträgern gehören, und eine historische Biografie wohl nur dann, wenn ein aktueller Bezug zum Zeitgeschehen vorhanden ist.

Erste Preisverleihung im Sommer 2020

Eine Jury aus Wissenschaftlern, Buchhändlern und Journalisten nominiert erstmals ab November diesen Jahres acht Bücher aus den von Verlagen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz vorgeschlagenen Titeln. Anders als beim Deutschen Buchpreis, der in diesem Jahr zum 15. Mal verliehen wird und den besten Roman des Jahres auszeichnet, wird es beim Deutschen Sachbuchpreis keine Long- oder Shortlist geben. Zwischen Bekanntgabe der ausgewählten Bücher und der Auszeichnung werden gute zwei Monate liegen. Zeit genug also, um sich ausgiebig den Inhalten der Bücher widmen und sie diskutieren zu können. Riethmüller hofft, dass die Buchbranche dies auch nutzt, um den nominierten Titeln eine Bühne zu bieten.

In der Tradition von Alexander von Humboldt

Der Preis soll in der Tradition des berühmten Forschers Alexander vom Humboldt vergeben werden

Die Preisvergabe wird dann erstmals am 16. Juni 2020 stattfinden, und zwar im Berliner Humboldt Forum, das erst im Herbst 2019 eröffnet wird. Dass ein solch illustrer Ort gefunden wurde, kann tatsächlich als Coup bezeichnet werden. Lavinia Frey von der Stiftung Humboldt Forum sieht den Preis denn auch in der Tradition von Namensgeber Alexander von Humboldt: Relevante gesellschaftliche Fragen sollen einem breiten Publikum zugänglich gemacht werden. Die Stifter des Preises – Hauptförderer ist die Deutsche Bank Stiftung – hoffen nun, dass Ort und Anlass zu einem gesellschaftlichen Ereignis werden.

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