1. Zum Inhalt springen
  2. Zur Hauptnavigation springen
  3. Zu weiteren Angeboten der DW springen

Stillstand in Japan belastet Autoindustrie

24. März 2011

Japanische Zulieferer versorgen Autobauer auf der ganzen Welt. Bisher ist es nur vereinzelt zu Produktionsausfällen außerhalb Japans gekommen. Doch die Angst vor Lieferengpässen bleibt.

https://p.dw.com/p/10g9k
Verbrannte Autos am Hitachi-Hafen (Foto: AP)
Diese Autos sind nach dem Erdbeben nicht mehr zu gebrauchenBild: AP

In der Autowelt sind Hersteller und Zulieferindustrie eng miteinander verflochten. Stefan Bratzel vom Center of Automotive in Bergisch Gladbach sieht den Anteil an der Wertschöpfung eines Autos zu rund einem Drittel beim Hersteller. "Aber 70 Prozent kommen vom Zulieferer. Und in dieser globalisierten Verflechtung spielen japanische Automobilzulieferer eine wichtige Rolle."

Dr. Stefan Bratzel Center of Automotive in Bergisch Gladbach (Foto: dpa)
Dr. Stefan Bratzel, Center of Automotive in Bergisch GladbachBild: picture-alliance/ dpa

So ist Denso der zweitgrößte Autozulieferer der Welt hinter dem deutschen Unternehmen Bosch. Ein anderer japanischer Zulieferer, Aisin, zählt zu den Top Ten in der Branche. Beide gehören zum weltgrößten Autobauer Toyota und versorgen auch andere Autohersteller mit Motoren, Getrieben, Klimaanlagen, Karosserien und anderen Teilen rund ums Fahrzeug. Vor allem in der Speichertechnologie sei die japanische Zulieferindustrie weltweit führend, sagt Stefan Bratzel: "Insofern besteht die Gefahr, dass, wenn dort Ausfälle sind, uns dann die Speicherchips fehlen."

Viele Zulieferer vom Erdbeben betroffen

Gerade viele Fabriken in der Elektronik- und Halbleiterindustrie befinden sich in den vom Erdbeben schwer betroffenen Präfekturen. Beschädigte Werke und unsichere Stromversorgung haben bei vielen Autobauern und Zulieferern zum Produktionsstopp geführt. Durch zerstörte Infrastruktur sind Lieferketten unterbrochen.

Mitarbeiter von Opel in Eisenach stehen an der Montagelinie (Foto: dpa)
Im Opel-Werk in Eisenach wird der Kleinwagen Corsa montiertBild: picture alliance/dpa

Das Opel-Werk in Eisenach war die erste Autofabrik in Deutschland, die wegen fehlender Teile aus Japan die Bänder anhalten musste, wenn auch nur für zwei Schichten. Auch die VW-Tochter Porsche meldete Lieferproblem bei Getrieben, die der Sportwagenhersteller von Aisin bezieht. Für den Mutterkonzern Volkswagen sei die Produktion nur bis Ende der Woche gesichert. Ein Expertenteam suche nach Alternativen, sagte ein Konzernsprecher am Dienstag.

Die Suche nach anderen Zulieferern könne aber eine Weile dauern, meint Autoexperte Bratzel. "In der Regel sind es keine Standardteile, sondern angepasst auf das jeweilige Modell, so dass man nicht einfach auf einen anderen Zulieferer ausweichen kann."

Deutsche Autobauer bisher wenig beeinträchtigt

Insgesamt ist die deutsche Autoindustrie bisher von größeren Lieferproblemen verschont geblieben. Stärker betroffen sind die USA und China, da sie mehr Teile aus Japan ordern. So musste die Opel-Mutter General Motors schon am Montag wegen der Nachschubprobleme die Produktion in einem Werk im US-Staat New York stoppen.

Frank Schwope, Autoexperte bei der NORD/LB (Foto: NORD/LB)
Frank Schwope, Autoexperte bei der NORD/LBBild: NORD/LB

Die Krise in Japan hat abermals die Nachteile einer schlanken Lieferkette offenbart. Doch zu einem Umdenken werde es nicht kommen, sagt Frank Schwope, Autoexperte bei der Norddeutschen Landesbank. Wohl werde man ein kleines Fragezeichen hinter die Just-in-time-Fertigung setzen: "Ich glaube aber nicht, dass es ein Abweichen von diesem System geben wird." Es werde eher dahin gehen, dass die Hersteller versuchen würden, sich auf mehrere Lieferanten aufzustellen, "so dass verschiedene Teile nicht mehr nur von einem oder zwei Lieferanten, sondern sicherheitshalber noch von einem dritten bezogen werden", sagt Schwope weiter.

Einbruch der japanischen Autoindustrie

Einstweilen können die Autohersteller nur hoffen, dass sich die Produktion in Japan bald normalisiert. Den größten Schaden durch die Katastrophen hat die japanische Autoindustrie selber zu ertragen. Nach Einschätzung des Marktforschungsinstituts IHS Automotive wird die japanische Autoproduktion im März um 65 Prozent einbrechen.

Daraus könnten die deutschen Autobauer sogar Vorteile ziehen, meint Frank Schwope. Auch wenn es makaber sei, könnten die deutschen Autohersteller von der Krise womöglich profitieren: "Es werden im Moment viel weniger Autos in Japan produziert. Es werden dann eher europäische oder deutsche Autos verkauft statt japanische Autos."

Autorin: Zhang Danhong
Redaktion: Henrik Böhme