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Teenager Luke Littler - neuer Darts-Star verliert WM-Finale

3. Januar 2024

Bei der Darts-Weltmeisterschaft in England verblüfft Teenager Luke Littler Publikum und Experten. Erst im Finale findet der 16-Jährige seinen Meister - in Luke Humphries.

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Luke Littler präsentiert nach dem Finale der Darts-WM den Pokal für den Zweitplatzierten
Kleiner Pokal statt ganz großem Wurf: Luke Littler scheitert im Finale und ist stolzer VizeweltmeisterBild: Zac Goodwin/PA Wire/empics/picture alliance

Luke Littler hielt die Miniatur-Version der Weltmeister-Trophäe in den Händen und wirkte untröstlich. Das verlorene WM-Finale machte dem 16 Jahre alten Supertalent auf der größten Darts-Bühne der Welt in London zu schaffen. "Jedes Spiel davor war gut, aber dieses hat mich geärgert. Glückwunsch an Luke Humphries, er hat es verdient", sagte Littler am späten Mittwochabend nach der 4:7-Niederlage gegen seinen Landsmann. Der junge Engländer hatte mit 4:2 geführt und die Chance auf das 5:2 vergeben. Danach kippte das Endspiel.

Der neue Weltmeister und Weltranglistenerste Humphries sprach nach dem Konfettiregen im Alexandra Palace mindestens genauso viel über den Rivalen wie über sich. "Er wird Darts dominieren. Er ist ein unglaublicher Spieler" sagte der 28 Jahre alte Humphries über seinen zwölf Jahre jüngeren Kontrahenten. "Er ist ein unglaubliches Talent. Ich musste das heute gewinnen, denn Luke wird in Zukunft viele davon gewinnen, da bin ich sicher."

Mit einem Finalsieg hätte Littler der jüngste Weltmeister aller Zeiten werden können. Diese Bestmarke hält nun weiterhin der Niederländer Michael van Gerwen, der bei seinem WM-Erfolg 2014 bereits 24 Jahre alt war. Auch wenn ihm im Endspiel der ganz große Coup versagt blieb, schrieb Littler im "Ally Pally" Darts-Geschichte. Der 16-Jährige war jüngster Viertel- und Halbfinalist sowie Endspielteilnehmer der WM-Historie. Platz zwei wurde mit einem Preisgeld von 200.000 Pfund (rund 230.000 Euro) belohnt.

England London | Britain World Darts Championship - Luke Humphries
Luke Humphries sicherte sich die WM-Trophäe und das Preisgeld von 500.000 Pfund (knapp 600.000 Euro) Bild: Kin Cheung/AP/picture alliance

Treffen mit der Legende

Dabei hatte "The Nuke" (Die Atombombe), wie Littler genannt wird, vor der WM noch nicht einmal eine Tourcard besessen, die Bedingung für die Teilnahme an vielen wichtigen Turnieren. Spätestens seit dem Sieg im WM-Achtelfinale gegen Altmeister Raymond van Barneveld aus den Niederlanden hatte es bei der Darts-WM jedoch kaum ein anderes Thema gegeben als den Shootingstar aus England.

Das Duell des 16-Jährigen gegen den 40 Jahre älteren Ex-Weltmeister wirkte wie ein Spiel zwischen Vater und Sohn. Als van Barneveld im Januar 2007 zum Darts-Weltmeister gekrönt wurde, war Littler noch nicht einmal geboren. Erst 20 Tage später erblickte er das Licht der Welt.

Vor dem direkten Duell hatte Englands gefeierter Youngster ein Video gepostet, bei dem er sein Vorbild als Dreijähriger imitiert. Littler schrieb dazu auf X: "13 Jahre später treffe ich höchstpersönlich auf die Legende und das auch noch auf der größten Bühne der Welt."

Mit neun Jahren zum Trainieren in die Kneipe

Littler, der von Darts-Altmeister Phil Taylor beraten und mit Fußball-Superstar Lionel Messi in dessen jungen Jahren verglichen wird, zeigte bis zum WM-Finale keine nervlichen Schwächen. "Er ist der beste Teenager, den ich je in meinem Leben gesehen habe", sagte Taylor. Der Dart-Profi mit dem Spitznamen "The Power" ist mit 16 WM-Titeln Rekord-Weltmeister

Luke Littler wirft im WM-Achtelfinale einen Dart-Pfeil, im Hintergrund Raymond von Barneveld mit nachdenklicher Miene.
Luke Littler (l.) ließ im WM-Achtelfinale Raymond van Barneveld alt aussehenBild: Zac Goodwin/dpa/picture alliance

Der Teenager aus dem Nordwesten Englands erstürmte die Darts-Welt im Eiltempo. Mit 18 Monaten soll Littler seine ersten magnetischen Pfeile geworfen haben. Im Alter von neun Jahren ging er nach eigenen Angaben mehrere Male die Woche mit in die Kneipe und lernte weiter dazu, um als 14-Jähriger seinen ersten offiziellen 9-Darter zu werfen - das perfekte Spiel, bei dem man die pro Runde zu erzielenden 501 Punkte mit nur neun Würfen abräumt und exakt auf Null kommt.

Publikumsliebling im Ally Pally

Littler ist bescheiden und freundlich, macht auch nach seinen Siegen keine große Show, sondern gratuliert höflich und nimmt die Glückwünsche und Komplimente seiner deutlich älteren Gegner entgegen. Unterstützt wird Littler im "Ally Pally" von seiner Familie. Vater Anthony ist Taxifahrer, seine Mutter Lisa verkauft Duftkerzen - bodenständige Leute, die darauf achten werden, dass ihr Sohn auch nach der WM nicht abhebt.

Luke Littler klatscht auf dem Weg zur Bühne des Londoner Alexandra Palace mit den Zuschauern ab
Littler eroberte die Herzen der Fans im "Ally Pally" im SturmBild: Zac Goodwin/empics/picture alliance

Gleichzeitig ist schon jetzt klar, dass nach dieser WM für den Schüler nichts mehr so sein wird wie vorher. Gelingt dem neuen "Darts-Wunderkind" der Übergang ins Promileben, könnte er in den kommenden Jahren die Darts-Welt weiter durcheinanderzuwirbeln und in die Fußstapfen seines großen Vorbilds Phil Taylor  treten. Der beendete seine Karriere 2018 mit 57 - ein Alter, dass Littler erst in 41 Jahren erreichen wird.

Der Artikel wurde nach den Siegen Littlers am 2. und 3. sowie der Final-Niederlage am 4. Januar aktualisiert.