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WADA suspendiert Anti-Doping-Labor

10. November 2015

Nach dem WADA-Bericht zum russischen Doping-Skandal entzieht die Welt-Anti-Doping-Agentur dem Dopingkontroll-Labor in Moskau vorläufig die Akkreditierung. Deutsche Funktionäre und Sportler sind besorgt.

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Russland Sitz des Anti-Doping Zentrum in Moskau
Bild: picture-alliance/AP Photo/A. Zemlianichenko

Die Suspendierung trete mit sofortiger Wirkung in Kraft, teilte die WADA am Dienstag auf ihrer Homepage mit. Damit reagiert die Welt-Anti-Doping-Agentur unverzüglich auf den Bericht ihrer Ermittler, in dem sie Russland des systematischen Dopings in der Leichtathletik beschuldigen. Die Politik soll das System gedeckt haben, beziehungsweise daran beteiligt gewesen sein.

Das Labor darf künftig weder Urin- noch Blutproben analysieren. Innerhalb der nächsten 21 Tage könne das Moskauer Anti-Doping-Zentrum beim Internationalen Sportgerichtshof CAS in Lausanne Einspruch gegen den WADA-Beschluss einlegen. Während der Suspendierung werden Dopingtests in alternativen, von der WADA akkreditierten Labors durchgeführt, heißt es in dem Statement.

"Die WADA hat damit rasch auf eine der Schlüssel-Empfehlungen reagiert, die ihre unabhängige Kommission in ihrem Bericht erhoben hatte", erklärte WADA-Chef Craig Reedie. Eine Disziplinarkommission, die in Kürze gegründet werde, solle über die Frage der Akkreditierung des Moskauer Labors entscheiden.

"Uns bringt nichts in Verlegenheit", reagiert Russlands Sportminster Witali Mutko demonstrativ gelassen auf den unerwartet heftigen Bericht der WADA-Kommission. Der 51-Jährige leitet auch die Vorbereitungen für die Fußball-WM 2018 in Russland und ist Chef des Fußballverbandes. "Solange nicht irgendwelche Beweise genannt werden,
fällt es schwer, die Beschuldigungen anzunehmen. Sie haben weder Hand noch Fuß" , meint Kreml-Sprecher Dmitri Peskow. Überrascht gibt sich Wadim Selitschjonok, Präsident des russischen Leichtathletikverbandes. "Ich habe nicht erwartet, dass
die Ergebnisse so weitreichend und ernst sein würden", sagt er.

Alfons Hörmann
DOSB-Präsident HörmannBild: picture-alliance/dpa/C. Seidel

"Auf Selbstheilungskräfte nur bedingt zu hoffen"

Der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), Alfons Hörmann, ist über den Bericht der WADA-Kommission zu systematischem Doping in Russland tief besorgt. "Nach den Ergebnissen der WADA-Kommission ist der Sport natürlich beschädigt. Da zeigt sich eine Systematik, die mehr als bedrohlich ist. Auf Selbstheilungskräfte kann man nur noch bedingt hoffen", sagte Hörmann während eines Diskussionsforums beim Bayerischen Rundfunk in München.

Russland Vitaly Mutko Sportminister PK in Samara
Russlands Sportminister Mutko bleibt gelassenBild: Reuters/M. Zmeyev

Einen möglichen Ausschluss russischer Leichtathleten von den Olympischen Spielen in Rio kommentierte Hörmann nur indirekt: "Darüber kann ich erst ein abschließendes Urteil abgeben, wenn noch mehr Klarheit herrscht. Es wird aber einen Hintergrund für die deutliche Empfehlung der WADA-Kommission geben", so Hörmann. "Wenn es sich in der Dimension bestätigt, wie es aus dem WADA-Bericht hervorzugehen scheint, dann meine ich, dass es auch für Russland selbst besser ist, einmal kraftvoll nachzudenken, sich neu zu strukturieren und zurück zum sauberen Sport zu finden. Andernfalls wird der Sport weltweit an Akzeptanz verlieren."

IAAF-Chef Coe gefordert

Auch der Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), Clemens Prokop, ist besorgt: "Sebastian Coe muss jetzt eine klare Kante zeigen. Wir erleben die schwersten Tage der Leichtathletik-Geschichte. Coe steht vor Herausforderungen, mit denen noch kein IAAF-Präsident konfrontiert war."

Nicht nur die Funktionäre, auch die Sportler melden sich zu Wort: "Wie weit geht das noch? Erst Betrug, dann Schmiergelder, jetzt Manipulation an Dopingproben. Was, beziehungsweise wer, ist als nächstes dran?", twitterte Sprinter Julian Reus. Der deutsche Rekordhalter über 100 Meter warf zudem die Frage auf: "Ist der Dopingskandal von Russland auch in anderen Ländern vorstellbar? Ich hoffe, diese wichtige Frage stellen sich IAAF, WADA und Coe." Und Stabhochsprung-Vizeweltmeister Raphael Holzdeppe meinte: "Einfach nur traurig für mich, dies zu verfolgen und miterleben zu müssen."

sw/asz (dpa, sid)