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Ein Präsident, der versöhnen muss

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Dirke Köpp
28. Oktober 2015

Ein Erdrutschsieg für Alassane Ouattara in der Elfenbeinküste. Nun muss der neue und alte Staatschef endlich beweisen, dass er wirklich der Präsident aller Ivorer sein will, meint Dirke Köpp.

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Elfenbeinküste Präsidentschaftswahl Alassane Ouattara
Bild: Getty Images/AFP/S. Kambou

Eine große Überraschung war es nicht, dass Alassane Ouattara die Präsidentenwahl in der Elfenbeinküste gewonnen hat. Viele Gründe sprachen dafür, dass er wiedergewählt werden würde: Er hat einige wirtschaftliche und strukturelle Reformen angestoßen - obwohl die Armut im Land bislang noch nicht abgenommen hat. Die Opposition ist zerstritten, drei Bewerber zogen noch vor der Wahl ihre Kandidatur zurück. Darüber hinaus hatte die „ur-ivorische“ PDCI (Parti Démocratique de Côte d'Ivoire), die das Land in die Unabhängigkeit geführt hat, schon früh angekündigt, den Amtsinhaber zu unterstützen und keinen eigenen Kandidaten zu nominieren. Hinzu kam für Alassane Ouattara der Amtsinhaber-Bonus mit einer großen Präsenz auf der politischen Bühne und den nationalen Medien, aber auch - geschickt eingesetzt - in den Sozialen Medien wie Twitter oder Facebook.

Gespaltene Gegner

Die einzige Partei, die Ouattara hätte gefährlich werden können, ist die Partei des früheren Präsidenten Laurent Gbagbo, die Front Populaire Ivorien (FPI). Doch die ist tief gespalten. Gespalten in die "Gbagborianer", diejenigen also, die niemand anders als Laurent Gbagbo als Präsidenten akzeptieren, und die anderen, die bereit sind zur Versöhnung und gern selbst wieder in der Politik mitmischen wollen. Unter dieser Voraussetzung hatte FPI-Kandidat Affi N'Guessan keine Chance.

Dass das Land noch nicht geheilt ist von der Krise mit 3000 Toten nach der Präsidentenwahl 2010, als Laurent Gbagbo seine Niederlage nicht anerkennen wollte, ist offensichtlich: Das wird in der Wahlbeteiligung von nur knapp 60 Prozent deutlich; zu groß war die Angst vor neuen Unruhen. In der Elfenbeinküste weiß man noch immer bereits nach wenigen Minuten, zu welchem politischen Lager der Gesprächspartner gehört - das schürt Spannungen. Im Wahlkampf war es vor allem in den Hochburgen der Gbagbo-Anhänger vereinzelt zu Gewalt gekommen.

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Dirke Köpp leitet die DW-Redaktion Französisch für Afrika

Siegerjustiz?

Für Ouattara muss daher endlich Versöhnung allerhöchste Priorität haben - anders als in seiner ersten Amtszeit. Er muss endlich beweisen, dass er wirklich der Präsident aller Ivorer sein möchte. Auch der Vorwurf der Siegerjustiz wird dabei eine Rolle spielen, der Vorwurf also, dass Ex-Präsident Gbagbo und seine Anhänger zur Rechenschaft gezogen werden, während die, die in der Krise Ouattara unterstützten, ungeschoren davonkommen. Dafür muss endlich der Bericht der Wahrheits- und Versöhnungskommission veröffentlicht werden.

Dass am 10. November am Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag der Prozess gegen Laurent Gbagbo wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit beginnt, wird die ersten Wochen im Amt für Ouattara nicht leichter machen. Auch hier hat er jedoch dann Gelegenheit, seinen Willen zur Versöhnung unter Beweis zu stellen.

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