Jürgen Klopp ist "Deutscher Fußball Botschafter 2019"

Sportlich steht er kurz vor der Krönung zum Großmeister unter den Fußball-Trainern: Jürgen Klopp hat erneut die Chance auf den Champions-League-Titel - erhält aber schon vorab eine Auszeichnung.

Es ist die Bescheidenheit, die echte Champions ziert. So glaubt Jürgen Klopp auch in einem seiner erfolgreichsten Jahre als Trainer nicht, dass er der beste deutsche Trainer im Ausland sei. "Petra (Landers, Anm. d. Red.) und Michael (Weiß, Anm. d. Red.) hätten das mit Sicherheit genau so verdient gehabt, wenn nicht gar noch mehr als ich. Aber aus irgendwelchen Gründen, ist die Wahl auf mich gefallen. Ich freue mich darüber", sagte Jürgen Klopp in einer Videobotschaft an Jury und Publikum bei der Verleihung des Deutschen Fußball-Botschafter-Preises, der am Mittwochabend zum siebten Mal in Berlin verliehen wurde. 

Klopp, der gerade mit dem FC Liverpool knapp am Meistertitel vorbeigeschrammt ist, blickt auf eine starke Saison zurück. Sein Team holte in der englischen Meisterschaft grandiose 97 Punkte, die aber aufgrund des noch stärkeren Teams von Manchester City (98 Zähler) nicht zum Titel reichten. Noch spektakulärer war Klopps Leistung in der Champions League. Mit einem atemberaubenden Comeback kämpften sich die Liverpooler gegen den FC Barcelona ins Finale der Königsklasse. Dort hat Klopp die Chance auf den ersten Henkelpott seiner Karriere, mit Dortmund (2013) und Liverpool (2018) war er zweimal als Finalist gescheitert. 

Watzke über Klopp: Jedem Verein gibt er etwas

Explizit geehrt wurde Klopp aber nicht für seine sportlichen Verdienste, sondern auch für seine herausragende Rolle als Botschafter des deutschen Fußballs. Als Schnittstelle zwischen Sport und Kultur würdigt die Initiative "Deutscher Fußball Botschafter" deutsche Trainerinnen und Trainer sowie und Spielerinnen und Spieler für ihr sozial-gesellschaftliches Engagement im Ausland. "Klopp ist jetzt einfach mal dran. Pep Guardiola geht immer zum Favoriten. Und Jürgen geht immer zu den Herausforderern. Jedem Verein gibt er etwas", lobte Hans-Joachim Watzke Klopp in seiner Laudatio. Watzke war als BVB-Geschäftsführer lange Klopps Vorgesetzter, beide verbindet bis heute eine enge Freundschaft. "Die Leute lieben ihn, weil die Leute merken, dass er den Verein lebt. Jürgen ist ein ungewöhnlicher Mensch."

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Sport | 15.05.2019

Jürgen Klopp: "Ich bin gerne Europäer"

Watzke lobte zudem Klopps Optimismus und seine Fähigkeit, auch aus Niederlagen neue Erkenntnisse zu ziehen. Erst kürzlich hatte Klopp im exklusiven DW-Interview erklärt, dass Fußball eben auch Leidensfähigkeit erfordert. "Die große Herausforderung in diesem Spiel ist es, ein großes Frustrationspotential zu haben. Wenn der liebe Gott mich dafür braucht, um zu zeigen, dass jemand sechs Endspiele in Folge verliert und er es tatsächlich auch noch ein siebtes Mal versucht, dann bin ich die perfekte Person dafür." 

Sport | 09.05.2019

Marc-André ter Stegen räumt Publikumspreis ab

Neben Klopp erhielt auch Nationaltorhüter Marc-André ter Stegen eine Auszeichnung. Der Barca-Schlussmann war erst vor wenigen Tagen im Halbfinale der Champions League an Klopps Team gescheitert. Der 27-jährige gebürtige Mönchengladbacher gewann den Publikumspreis, an dem mehrere zehntausend Fans per Online-Voting teilnahmen. Trainer Gernot Rohr lobte in seiner Laudatio die Vielseitigkeit der Nummer 1 des FC Barcelona: "Er verkörpert den modernen Torhüter." Den Ehrenpreis erhielt der ehemalige Nationalspieler Bernd Schuster, der ganz nebenbei mit Blick auf die Nationalmannschaft eine Lanze für ter Stegen brach: "Für mich ist er seit zwei Jahren die Nummer eins. Dass ein Torwart ein so guter Fußballer sein kann, das hätte ich nicht gedacht." Ob diese Botschaft auch den Bundestrainer erreicht?

Jürgen Klopp: Mit Herz und Charisma

Volksheiliger

Schnell hat Jürgen Klopp die Herzen der Liverpool-Fans erobert: "Wir müssen uns von Zweiflern in Gläubige verwandeln", forderte er gleich an seinem ersten Tag beim LFC. Der "Believer"-Schal ist heute eines der beliebtesten Fan-Artikel an der Anfield Road. Ebenso das "In Klopp we trust"-Shirt. Klopp ist Kult beim kultigsten Klub Englands, angefangen hat er aber fernab der großen Fußball-Tempel.

Jürgen Klopp: Mit Herz und Charisma

Gruppenbild mit Seeler

Jürgen Klopp wird 1967 in Stuttgart geboren und wächst im Schwarzwald auf. Als A-Jugendspieler des TuS Ergenzingen (oben, 2.v.l.) darf er bei einem Turnier 1985 in Hamburg sogar neben HSV-Legende Uwe Seeler stehen. Da ahnt noch niemand, dass sich heute Leute darum reißen, sich für ein Selfie neben Klopp platzieren zu können.

Jürgen Klopp: Mit Herz und Charisma

Eher Fußball-Handwerker

Ein Ballzauberer ist Jürgen Klopp in seiner aktiven Karriere eher nicht. Der Stürmer, der beim Zweitligisten FSV Mainz 05 bald zum Verteidiger umschult, steht eher für einen rustikalen Stil. Die Fans mögen seine ehrliche Art, Fußball zu spielen. Als einziger Spieler der Mainzer hat er einen eigenen Fan-Klub, die "Kloppos".

Jürgen Klopp: Mit Herz und Charisma

Abschied aus Mainz nach 18 Jahren

Nahtlos wechselt Klopp 2001 vom Spielfeld auf die Trainerbank. Nachdem Mainz zweimal knapp daran gescheitert ist, gelingt dem Team unter Klopp 2004 im dritten Anlauf der historische erste Aufstieg des FSV in die Bundesliga. Nach dem Abstieg 2007 und dem knapp verpassten Wiederaufstieg im Jahr darauf verabschiedet sich Klopp aus Mainz: nach 18 Jahren als Spieler und Trainer.

Jürgen Klopp: Mit Herz und Charisma

Preisgekrönter TV-Experte

Klopp ist ein Energiebündel - und hat fast immer einen lockeren Spruch auf den Lippen. Verbunden mit seiner Fußball-Kompetenz macht ihn das zum idealen TV-Experten. Mit dem Ex-Schiedsrichter Urs Meier (l.) und Moderator Johannes B. Kerner (r.) bildet Klopp von 2005 bis 2008 beim ZDF ein eingespieltes Team. Später heuert er bei RTL als Experte an. Zweimal erhält er den Deutschen Fernsehpreis.

Jürgen Klopp: Mit Herz und Charisma

Trendsetter

Jürgen Klopp kommt mit seiner offenen und sympathischen Art bei den Fernsehzuschauern und Fußballfans gut an - und wird auch zum Trendsetter. Selbst seine modischen Brillen werden von der Öffentlichkeit positiv wahrgenommen. 2008 ernennt das "Kuratorium Gutes Sehen" Klopp zum "Brillenträger des Jahres".

Jürgen Klopp: Mit Herz und Charisma

Stars machen

Mitte 2008 wird Klopp Cheftrainer von Borussia Dortmund. Der BVB ist nach der Fast-Pleite drei Jahre zuvor immer noch dabei, die Finanzen zu sanieren, sportlich läuft es nicht rund. Klopp verspricht, dem Verein "wieder in die Spur" zu helfen. Seine Devise lautet: Keine Stars kaufen, sondern sie machen. So stellt er die beiden erst 19 Jahre alten Mats Hummels und Neven Subotic ins Abwehrzentrum.

Jürgen Klopp: Mit Herz und Charisma

Drei Titel in zwei Jahren

Klopps Rezept geht auf, der Weg des BVB führt nach oben. 2011 holen die Dortmunder die Meisterschale - und feiern hinterher so kräftig, dass der Trainer am Tag danach bei der Party mit den Fans auf dem Borsigplatz seine Augen hinter einer Sonnenbrille verbergen muss. 2012 schafft der BVB sogar das Double.

Jürgen Klopp: Mit Herz und Charisma

Gelegentliche Ausraster

Bei allem Charme und Witz - immer wieder gehen Klopp an der Seitenlinie auch mal die Gäule durch - wie hier 2010 bei einem Disput mit dem Vierten Offiziellen, Schiedsrichter Stefan Trautmann. "Ich habe mich über mich selbst erschrocken, das war nicht in Ordnung", sagt Klopp, nachdem er dieses Foto gesehen hat.

Jürgen Klopp: Mit Herz und Charisma

Glücklich verheiratet

Seit 2005 ist Klopp in zweiter Ehe mit seiner Frau Ursula verheiratet. Beide haben je einen Sohn aus früherer Ehe. "Ich wäre nicht im Ansatz derjenige, der ich bin, wenn es meine Frau nicht gäbe", verrät Klopp einmal der Zeitschrift "Gala": "Ich wäre nicht ein solch zufriedener Mensch." Seine "Ulla", so Klopp, möge auch seinen Bart, ein weiteres seiner Markenzeichen.

Jürgen Klopp: Mit Herz und Charisma

Das Ende der Geheimratsecken

"Wir haben mit unseren Söhnen und einem Freund, der Arzt ist, zusammengesessen und darüber gesprochen, was man an sich ändern würde, wenn man könnte", sagt Klopp hinterher. Dem BVB-Trainer missfallen seine Geheimratsecken, also lässt er sie sich sich per Haartransplantation verkleinern. Und er redet 2013 offen darüber: "Ich finde, das Ergebnis ist ganz cool geworden, oder?"

Jürgen Klopp: Mit Herz und Charisma

Bittere Niederlage in Wembley

2013 hat Klopp die Chance, seinen ersten internationalen Titel zu holen und dann gleich in der Champions League - im Finale im Wembleystadion in London gegen den deutschen Rivalen FC Bayern. Der BVB verliert unglücklich mit 1:2, der Siegtreffer der Münchener durch Arjen Robben fällt in der vorletzten Minute. Klopp ist als Tröster gefordert.

Jürgen Klopp: Mit Herz und Charisma

Tschüss, BVB!

Mitte 2014 wird der BVB zum zweiten Mal in Serie Vizemeister, danach beginnt die Krise. Nach 18 Spieltagen steht Dortmund auf dem letzten Tabellenplatz. Klopp wirkt erschöpft. Immerhin führt er das Team noch als Siebter in die Europa League und ins DFB-Pokalfinale 2015, das der BVB gegen Wolfsburg mit 1:3 verliert. Zu diesem Zeitpunkt hat Klopp bereits seinen Abschied aus Dortmund verkündet.

Jürgen Klopp: Mit Herz und Charisma

"The Normal One"

Klopps "Sabbatjahr" dauert nur fünf Monate. Im Oktober 2015 wird er als neuer Teammanager des FC Liverpool vorgestellt. Angesprochen auf den Ausspruch "I'm the Special One" des portugiesischen Star-Trainers Jose Mourinho, antwortet Klopp: "Ich war ein durchschnittlicher Spieler, und in Mainz habe ich als durchschnittlicher Trainer angefangen. Man könnte sagen: I'm the Normal One."

Jürgen Klopp: Mit Herz und Charisma

Liebling der Fans

Wie in Mainz und in Dortmund, fliegen ihm auch in Liverpool die Herzen der Fans zu. Klopp lässt die "Reds" attraktiven Offensivfußball spielen - und formt, wie einst beim BVB, neue Stars. So reift Mohamed "Mo" Salah unter Klopp zu einem Weltklassespieler. Mit 32 Treffern bricht der Ägypter den bisherigen Torrekord der Premier League und wird zum "Spieler der Saison 2017/18" gekürt.

Jürgen Klopp: Mit Herz und Charisma

Am Pokal vorbei

Wieder "nur" die Medaille für den zweiten Platz. Das Champions-League-Finale 2018 gegen Real Madrid ist Klopps drittes Endspiel mit dem FC Liverpool, das er verliert - wie zuvor die beiden Finals im Jahr 2016, im Ligapokal und in der Europa League. "Wir hatten kein Spielglück", sagt er hinterher. "Es geht mir nicht wahnsinnig gut."

Jürgen Klopp: Mit Herz und Charisma

Die Chance zur Revanche

Die Final-Niederlage gegen den FC Bayern verfolgt Klopp bis heute, sagt er. Nie wieder hat sich er das Champions-League-Endspiel von 2013 angeschaut, Dortmunds 1:2 gegen den FC Bayern sei "einfach zu bitter" gewesen. Sechs Jahre später gelingtKlopp, diesmal als Liverpool-Coach, eine kleine Revanche. Im Achtelfinale der Königsklasse schalten die "Reds" den FC Bayern aus.

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